Leiden is nicht unbedingt notwendig. Aber es hilft
sicherlich. Wirst Du Deiner Situation bewußt - von der Realität abgeschnitten zu sein -
dann wird das Verlangen nach Ganzheit geweckt. Je mehr Du Deinen Schmerz zuläßt, desto
stärker Deine innere Triebfeder. Sie ist das Fundament Deines spirituellen Weges.
Der erste und meist entscheidene Schritt ist das Erwachen. Es besteht
daraus, daß Du Deine innere Wahrnehmung wirst. Es wird dadurch - meist unterstützt
von der Meditation - eine innere Distanz kreiert zwischen Dir - Deinem Neuen Selbst - und
dem Prozeß des Geistes: Gedanken, Bilder, Phantasien und Träume.
Durch das innerliche Zurücktreten erscheinen Deine Probleme vor Dir. Du
bist "hier", während Deine Probleme "dort" sind. Du bist also Deine
Probleme nicht. Eine neue Einsicht is geboren: das einzige Problem ist von Problemen
beherrscht zu werden. Nach der Befreiung sind Deine Probleme immer noch da, ohne noch ein
Problem zu sein.
Im Gegensatz zu was viele Wege sagen, ist der Körper das Fahrzeug des
Geistes. Das Geheimnis ist, daß (nur) durch die Wiederherstellung des Kontaktes mit dem
Körper - Entspannung und Bewußtseinserweiterung sind zwei Seiten derselben Medaille -
das Neue Selbst geboren wird, während die Identifikation mit Deiner Psyche nachläßt.
Befreiung ist ein Kinderspiel.
Nachdem das Bewußtsein sich vertieft, wirst Du "Das Zentrum des
Zyklons". Es bedeutet, daß der Nachdruck Deines Seins sich in Richtung des Herzens
bewegt. Im Innern ist es stille, während die Peripherie - Dein Körper - befreit ist von
jeglicher Begrenzung, eine wahrlich extatische Erfahrung*.
* Vergleiche es mit dem "tanzenden
Shiva"
Dies wird jedoch nicht "für immer" andauern. Der spirituelle
Weg gleicht einer Blume. Am Morgen öffnet sie sich, während sie sich am Abend schließt.
Es bedeutet, daß sich die Qualität des Bewußtseins ständig ändert. Zu meinen, daß
die Befreiung "ein Zustand ununterbrochenes Gewahrseins" sei, entstammt der
Ignoranz.
Die Kennzeichen dieser ersten zwei Stadien des Weges sollten
irgendwoanders gefunden werden. Erstens, in welcher Situation Du Dich auch befindest,
sagst Du ja dazu. Wenn Dein Bewußtsein eine große Öffnung hat, großartig; wenn dagegen
es ziemlich eng ist, ebenso gut. Du genießt das Leben, wie es ist.
Wie bereits erwähnt, seitdem Dein Leiden aus Entfremdung vom Ganzen
besteht - von Deinem Wahren Selbst, Deinem Körper und der Natur, Deinen unterdrückten
Emotionen, Weiblichkeit, Liebe und Kraft - besteht Dein spiritueller Weg logischerweise
aus dem Wiederherstellen desselben. Es ist letztenendes ein Prozeß der Integration, worin
Dir alles gleichermaßen lieb bzw wertvoll ist.
Die andere Konsequenz des Öffnens ist der Verlust der Ego-kontrolle. Es
bedeutet, daß Teile, die vorher unterdrückt und unbewußt waren, jetzt die Chance
haben" an die Oberfläche zu kommen". Früher oder später mußt Du Dich mit
Deinem Schmerz, Angst, Wut, Haß, Selbstmitleid und Minderwertigkeitskomplex
auseinandersetzen.
Statt sie als "Negativität" zu denunzieren, als etwas das
nicht paßt zu Deinem neuen "spirituellen Selbstbild" (mit "positiv
Denken" als ein Werkzeug, um sie zu eliminieren....), sind diese Teile Deine innere
Stiefkinder, die "Dich flehen um wieder Teil Deiner bewußten Ganzheit zu
werden". Die Antwort auf sie ist nicht Ablehnung, sondern Umarmung.
Dein Mitgefühl wird entsprechend wachsen. Es ist synonym mit
Inklusivität. Daher ist jeder Weg, der beansprucht, daß die alltägliche Realität
Illusion ist, gegründet auf falschen Paradigmen. Spiritualität ist nicht das
benachdrucken des Einen, während man das Andere ausschließt. Die Wirklichkeit dagegen
ist eine integrierte Ganzheit.
Ein potentielle ernsthafte Konsequenz der mangelhaften Integration
(Therapie!) ist das Erscheinen des Widersachers. Nehmen Sie einmal an, daß ein
Haß-komplex in Deinem inneren Raum aufgetaucht ist. Seine Dynamik ist folgende. Während
Dein Bewußstsein sich weiter erweitert, wird seine Energie auch den Komplex bescheren.
Das Paradox ist folgendes. Je stärker Dein inneres Licht, desto mehr
Dein Haß-komplex seine Energie aufsaugt, während es sichselber aufbläht. Die Düsternis
wird also dementsprechend wachsen. Dies wird so einige Zeit weitergehen, bis eine
kritische Schwelle erreicht ist. "Über Nacht" wird Deine Destruktivität Dein
ganzes Wesen übernehmen.
Wenn Du diese Hürde einmal genommen hast, kann ein nächster Schritt
auf dem Weg gemacht werden. Es besteht aus Vertiefung Deines Bewußtseins. Es entspricht
bestimmter Formen der Meditation, die einen Durchbruch beabsichtigen. Der Vorteil
über "Instantwege" ist, daß Deine Verwirklichung von Anfang an ein Fundament
hat.
Dann - es geschieht oft plötzlich - ist das Bewußtsein auf einmal
"größer als der Körper". Er "fällt von Dir ab". NB. Man muß erst
Körper werden, um ihn tranzendieren zu können.....Das heißt, daß Dein Bewußtsein sich
erweitert hat derartig, daß Körperidentifikation, wie wir es kennen,
"auflöst". Im Zen wird dies Kensho genannt.
Die Überraschung ist, daß das Kriterium für diesen Deinen
"vertikalen" Fortschritt den Effekt ist, den diesen hat auf die
"horizontale" Dimension des Daseins. Wenn Bewußtsein sich außer dem Körper
erweitert hat, schließt es alles um Dich herum, ohne Ausnahme, ein. Alles erweist sich
als Inhalt Deines erweiterten Raumes.
Du liebst also alles wie Dichselbst. Ich kenne Menschen, die behaupten
"realisiert" zu sein, die zu gleicher Zeit jedoch ständig über sichselbst
reden. Wenn Du Raum geworden bist, kollabiert jedoch Deine Selbstbezogenheit. Beweis
dafür ist das verzaubert werden durch alles in Deiner (unmittelbaren) Umgebung: das Gras,
die Blumen und die Bäume.
Wie oben gesagt, ist nicht Kensho oder Satori entscheidend, sondern die
Fähigkeit um alte Teile Deiner Persönlichkeit in Deine Neue Identität zu integrieren.
Ein Faktor jedoch könnte den Prozeß weiterhin komplizieren. Das ist die Tatsache, daß
früher oder später (meist früher) Deine Verwirklichung schwächer wird, während Dein
Ego zurückkehrt.
Du solltest alle Lehrungen verwerfen, die das "einmal Erleuchtet,
für immer Erleuchtet" propagieren. Es ist einfach nicht wahr*. Die unterliegende
Ambition ist die (erwartete) grenzenlose Autorität, die aus dem "erleuchtetem
Status" hervorkommt. Daher, sei immer ehrlich mit Dirselbst und anderen.
* Es ist klar, daß Erleuchtung
selber immer da ist. Nur Du kannst die ursprüngliche Intensität nicht fortwährend
ertragen.
Identifikation mit einem erleuchtetem Status wird manchmal presentiert
als seiende eine "Reinkarnation" mit irgendeinem heiligen Vorgänger. Das ist
der Beweis des Irrtums. Das Nichts (die Leere) beinhaltet zahllose Formen, nicht nur eine.
Während kräftig verwurzelt in Einheit, spielst Du mit der Vielfalt. Es ist das Wesen von
Leela, dem göttlichen Spiel.
Die Funktion des Ego's ist, sich zu identifizieren. Es dient dem Zweck
der (relativen) Stabilität, ein ehrenvolles soziales Ziel, die Basis für die
Gesellschaft. Es identifiziert sich mit allem, was Deine Persönlichkeit stärkt, wie eine
neue Krawatte, Auto oder Beziehung. Wenn wir diese Tendenz berücksichtigen, was wird
geschehen, wenn das Ego einem "Erleuchteten begegnet?"
Richtig, es wird sich auf Dich stürzen, während es
versucht sein Selbstbild zu heben. Es wird versuchen Deine Verwirklichung für seine
eigene Zwecke zu mißbrauchen. Persönlich war das die schwierigste Zeit meines Lebens. Es
entspricht der "Dunklen Nacht der Seele", wie benachdruckt wird in der
christlichen mystischen Tradition.
Daher die Notwendigkeit der Läuterung, sogar oder ins Besondere nach
einer Großen Erfahrung. Glücklicherweise - weil Bodymind tranzendiert ist - kann
Anstrengung Dich nicht "weiterbringen auf dem Weg". Du solltest alle Ehrgeiz
fallen lassen. Künftig hängt alles nur noch von Gnade ab. Selbstverwirklichung
verändert sich (langsam) in Hingabe und Verehrung.
Daher daß die nächste Phase - Vollerleuchtung - immer plötzlich und
unerwartet ist, buchstäblich "aus dem heiteren Himmel" kommt. In meinem Fall
begann es mit transzendentem Blitz, der mein ganzes Sein zerstörte, sofort gefolgt von
Auflösung in das Ewige Licht. In der gleichen Nacht, bewegte sich das Pendulum in die
entgegengesetzte Richtung.
Ich befand mich ebenso plötzlich in einem Ozean des Schreckens, dieser
Zustand dauerte viele Stunden. Später lernte ich von der Mythologie, daß dies die
Unterwelt ist, zum ersten Mal beschrieben in "Inanna's Abstieg"*, später
gefolgt von den Vegetationsgöttern (Baal z.B.), die (freiwillig) sterben um wiedergeboren
zu werden, zum Wohl des Ganzen.
* MutterGöttin von Sumerien.
Die wahre Bedeutung der "Auferstehung"
wurde mir also offenbart. Es ist die älteste Initiation der Menschheit. Sie wurde von
Sumerien den hellenistischen Mysterienreligionen übertragen, während das Christentum sie
zunächst kopiierte. Statt es nur auf eine Person zu projizieren (Christus), sollten wir
unsere eigene Erneuerung zurückerlangen.
Was bedeutet dies im Allgemeinen? Erstens, daß die "Dreifache
Verwirklichung" ziemlich selten ist. Die meisten Wege hören auf mit der Erleuchtung
als Ultime Realität. Dies hat enorme Konsequenzen für unser Weltbild. Weil es
"erreicht", "verwirklicht" oder "besessen" werden kann,
fördert es (automatisch) ein gieriges, selbstbezogenes Universum.
Meine Erfahrung erzählte mir etwas anderes. Erleuchtung hat einen
Gegenpol, daher kann es nicht die Ultime Einheit sein. Es is dagegen Teil einer
Polarität. Die Wahre Einheit ist daher etwas an jener Seite. Ein Jenseits, das
übereinkommt mit meiner Auslöschung, dem Absoluten Nichts oder Vakuum.
Zurückblickend, ging dem Licht das Absolute Nichts voraus. Es erweist
sich, daß zwischen den beiden eine Hierarchie besteht. Der Durchbruch ist, daß die
Absolute Leere nicht erreicht werden kann. Man kann nicht "das kosmische Vakuum
werden". Das Ego hat also keine andere Wahl als sich dem Großen Mysterium
hinzugeben.
Die Entdeckung ist, daß nicht Selbstverwirklichung, sondern Anbetung
die ultime Phase auf dem spirituellen Weg ist. Es ist freisein von der Freiheit.
Persönlich war das das Ende meiner 33 Jahren mit seinen vielen Rückschlägen. Und so
wurde mir deutlich, daß mein Weg die älteste Tradition auf Erden verkörpert, die des
Ewig-Weiblichen als die Letztendliche Realität.
Ich bin nicht die letzte Zuflucht (mehr). Stattdessen begreife ich mich
als der Sohn der Mutter. Sie ist die Zuflucht für alle Wesen. Wir alle leben in Ihrer
Alles-Umarmenden Kosmischen Gebärmutter, in absoluter Geborgenheit. Tatsächlich ist
niemand von uns je geboren worden...Ist das nicht ein Witz? Preise die Mutter!
Erleuchtung kommt aus Ihrer Bodenlosen Gebärmutter hervor, daher wird
es Mutter's "Lichtkörper" genannt. Während das Universum Ihr "Materieller
Körper" ist. Beide kehren unaufhörlich zu der Quelle zurück. Es ist das Fundament
von dem Gesetz des Universums: die Einheit von Vernichtung, Permanenz und Schöpfung.
Leben gemäß Ihrem Gesetz umarmt Leben und Tod gleichermaßen. Man
nimmt das Leben wie es ist. Damit ist die patriarchale Angst vor "dem Zyklus von
Geburt und Tod" überwunden. Du versuchst nicht mehr zu flüchten, auf der Suche nach
Unsterblichkeit. Du engagierst Dich dagegen mit dem Leben in all seinen Aspekten, nichts
ausgenommen.
Die Rückkehr der Großen Mutter markiert den Beginn einer Neuen Ära.
Durch Sie kann der heutige Verfall begriffen werden. Warum degeneriert alles? Es ist
unsere Ego-Anhäufung, die die Grenzen der Toleranz der Leere überschritten hat und
deswegen vernichtet wird.
Spirituelles Leben bedeutet Zusammenarbeit mit Ihrer Weisheit, indem man
das Alte sterben läßt, während man als ein Neues Selbst aufs Neue geboren wird. Dies
ist der erste Schritt, jedoch nicht der letzte. Einmal erneuert, sollten wir wieder Teil
des Ganzen - Himmel, Erde und die (neue) Gemeinschaft/Ihr Lebensnetz - werden.
Evolution erweist sich als zyklisch. "Am Anfang" war (ist) die
Große Mutter. Ihre Ganzheit zerfiel in verschiedene Göttinnen. Die Göttinnen wiederum
wurden Götter. Wonach das Patriarchat den Einen Gott einführte. Danach, ist nach
Nietzsche "Gott tot", den Weg freimachend für die Rückkehr der Mutter.
In der Mythologie gebärt die Mutter sowohl Göttinnen als
Vegetationsgötter. Sie sind die "Archetypen" des neuen Gender Rolverhaltens.
Die Ersten werden repräsentiert von der "Weisen Frau", während die Letzten
übereinstimmen mit dem "Grünen Mann". Es ist der Anfang einer echten
Kooperation, zum Wohlergehen des Ganzen.
Vom Anfang an wurde die Mutter als schwarz dargestellt um später die
Schwarze Madonnen von Europa zu werden. Ihre Schwärze absorbiert alle Leiden, groß und
klein. Nicht verwunderlich also, daß trotz der Bemühungen der Kirche sie zu vernichten,
die Menschen hardnäckig ihre heilige Objekte schützten.
Überbleibsel der Ursprünglichen Großen Mutter werden in allen großen
Religionen gefunden, nicht nur als Vorstellungen wie die Madonna, Kuan Yin oder MatriDevi,
sondern auch wesentlicher, wie das Tao als Mutter oder Allah in Seinem Aspekt des
Mitgefühls. Durch benachdrucken der "Mütterlichen Dimension Gottes", tragen
wir bei zur Toleranz, Verständnis und Frieden.
An alle von Euch! Was auch immer Deine Religion oder Glauben sein mag,
jedem kann unser universelle spirituelle Weg von Nutzen sein. Es wird Der Integrale Weg
genannt, bestehend aus Erwachen, persönlicher Integration, dem Verwurzelt-sein in
"Himmel und Erde", dem Durchbruch zu dem Licht, Läuterung/Reinigung, Zuflucht
nehmen in das Letzendliche und Mitgefühl/Service.
Am Ende des Weges beinhaltet das Dasein alle Niveau's, alles eingebettet
in das Ultime Nichts der Großen Mutter. Weil Sie alle Ego-Identifikation vernichtet hat,
wird die Obsession mit Deinen spirituellen Ambitionen aufgelöst, während Dir ein Leben
von Gnade, Dankbarkeit und Freude beschert wird.
Zur gleichen Zeit ist die Erleuchtung vollkommen transparant geworden,
während es "keine Spuren hinterläßt". Das Paradox ist dies: "Du bist
weder dies (das Göttliche), noch das (das Ego)". Du hast keine Substanz mehr. Was
übrig bleibt, ist die sichtbare Welt um Dich herum. "Bist Du Nichts, bist Du
alles"
Erleuchtung ist also "eine Wiedergeburt in die Welt", nicht
etwas Besonderes, nicht etwas Heiliges. Eine Bewußtseinszustand, wobei die Berge wieder
die Berge sind. Der Unterschied ist, daß, während sie zuvor um Dich herum waren, sie nun
Teil Deines Selbstes sind. Du schließt alle lebende und nicht-lebende Wesen ein. Es ist
die wahre Bedeutung des Mitgefühls.
Mutter's Segen,
Han Marie Stiekema Sermes
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