Kapitel 6
DUNKLE NACHT DER SEELE
Persönliche Integration: fünfzehn Jahre ab- und aufwärts

 

1. VORWORT

2. EINFÜHRUNG

3. MEINE JUGEND
Der Anfang
Die Schule

Arzt für Naturheilverfahren

4. AN JENER SEITE
Die Große Erfahrungen/Zehn Jahre ununterbrochener Glückseligkeit
Prophezeihung
Ein Traum
Die GralsVision
Die Drei-Einheit
Appendix
Meine innere Frau
Und dann.....Tantra
Der Meister
OFFENBARUNG DER GROßEN MUTTER
DAS ABSOLUTE NICHTS
DAS GROßE LICHT
DAS GROßE STERBEN/DIE UNTERWELT
Kommentar
Fortsetzung
Die Ultime Sutra
Fortsetzung
Amsterdam, August 1980
Tanzen
Kundalini
Stille Kraft
Nächst
Nichts Ist/Der Zyklus vollendet

5. DIE ULTIME SUTRA

6. DUNKLE NACHT DER SEELE
Persönliche Integration: fünfzehn Jahre ab- und aufwärts
Verlassenheit
Selbstbezogenheit
Neid/Eifersüchtige Monologe
Der Widersacher
Läuterung
Identität
Kennemerduinen 1990
Japan und HongKong
MeiMei

Heimsuchungen/Entwischt aus der Hölle der Zukunft
Brasilien
Letzte Erprobung

7. DAS HEILIGE TAL
("Talpredigt")
Der Abstieg
Die Tiefe
Die Rückkehr

8. MEIN LEBENSMYTHOS
Zurückblickend
Mitgefühl
Erneuerung
Schönheit

9. HEALING THE PLANET
Anzufangen bei Dirselbst
Wehklage
Der Universelle Weg
Souverän leben
Die 7 Schritte

10. DIE GROßE MUTTER
(Wieder)Entdeckung
Teresa von Avila
Ein Wunder/PilgerHilfe
Anerkennung

11. KEHR UM
Große Mutter Hymne

12. EPILOG
Zur Verfügung stehen

"Bewertung"
Das Grüne Gras

ÜBER DIESES BUCH

 

 

Nachdem ich zehn Jahre in ununterbrochener Glückseligkeit gelebt hatte, zog sich die Leichtlebigkeit des Daseins zurück. In ziemlich kurzer Zeit wurde die Tragfläche des IchSelbstes immer schwächer. Die Qualität der Klarheit, der Allgegenwärtigkeit und der Zeitlosigkeit verminderte, ebenso wie die der Freude, der Unbekümmertheit und der Selbstlosigkeit. Bis es schließlich so schien, als wäre es ganz und gar verschwunden. Du kannst es vergleichen mit dem Wettermännchen und –Weibchen: wenn der Eine sich zurückzieht, erscheint der Andere. So wurde auch ich in kurzer Zeit total ’auf michselbst zurückgeworfen’. Aspekte der Persönlichkeit, die ich als inzwischen aufgelöst wähnte, erschienen wieder. Meine "Hauptsünden" aus der Vergangenheit, wie zum Beispiel Gereiztheit, Sorgen und (kleine) Ängste, kehrten alle wieder zu mir zurück. Eigentlich waren sie niemals weggewesen. Das war pure Desillusion. Selbst das zehnjährige Aufgehen in die Ganzheit hat sie nicht auflösen können. Es ist als ob Du jahrelang auf nur einer bestimmten Wellenlänge gesessen hast. Die anderen Wellenlängen – die da natürlich auch noch sind – dringen nicht durch. Verliert die erste Wellenlänge ihre Dominanz, dann ’hat man die Bescherung’. Ehrlich gesagt war das ein Schock. Ich hatte das Gefühl, wieder beim Nullpunkt gelandet zu sein. Alle ’Glorie’ der Ewigkeit war verschwunden, als ob es nie geschehen war. Es gab keinen Unterschied zwischen mir und allen anderen. Auch hatte ich andauernd Probleme. Genau wie alle anderen stand ich alleine davor. In der mystischen Literatur wird dies die ’Dunkle Nacht der Seele’ genannt. Verzweiflung, Verlassenheit und Aussichtslosigkeit nehmen dann Besitz von Dir. Man muß dies im Kontext der abendländischen Spiritualität sehen, in der es ohne morgenländische Meditation zugeht. In so einem Fall ist ein Rückfall komplett und dramatisch. Aber, dank meiner jahrelangen Zen-meditationserfahrung, schimmerte da immer noch etwas durch vom Großen Bewußtsein, wie schwach es manchmal auch war. Doch das kultivierte ich kaum oder garnicht - obwohl ich es gekonnt hatte - denn tief im Innern kannte ich den Sinn dieses Leidens und die Notwendigkeit es zuzulassen.

Es kam der Augenblick, in dem ich mich auf einer Weggabelung befand und mir klar wurde, dass ich eine Wahl zu treffen hatte. In der vorangehenden Periode - im Anmut meines Daseins - hatte ich 'die Welt' ausgeschlossen; der Mißklang des Alltäglichen war in meinem Paradies nicht zu 'hören'. Auch wenn es noch so vollkommen war, meine Wirklichkeit war lediglich partiell und exklusiv. Diese Einsicht begann an meinem Gewissen zu nagen. Ausserdem, sollte meine Verwirklichung der Welt nicht gewachsen sein, und sollte sie sich nicht erstrecken zu meinen Mitmenschen - nicht nur im Bewusstsein, sondern auch im Handeln - was für einen Wert hätte dieser Zustand denn eigentlich? Schliesslich stellte ich auch noch 'setbacks' nach alten Konditionierungen fest. So sagten mir auf einmal alte Redensarten zu, wie zum Beispiel "An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen". Was für einen Nutzen hatte es (für andere), hier in meiner 'eigenen' Erleuchtung herum zu laufen? Auch war ich bange um ein exotischer Guru in einem goldenen Käfig zu werden; als Oberhaupt mit Anhängern in eine Art von Sekte. Ich gelobte mirselber, dass ich mich damit auf gar keinen Fall einlassen will; trotz der manchmal so verführerischen Vorstellung von all den folgsamen Anhängern zu meinen Füssen. Ausserdem, ehrlich wie ich war (und bin), kamen - wie oben erwähnt - in zunehmendem Maße innerliche Dissonanzen nach oben, die meine Glückseligkeit verstörten. Ärger, Sorgen, Angst um kleine Dinge bis hin zu Wutausbrüchen gaben mir genügend Stoff zum nachdenken. Die Folgerung war deutlich: wegen der Inklusivität - der Notwendigkeit die Persönlichkeit in die Neue Identität zu integrieren - also auch Friedensstörern, deren Negativität und der Welt, blieb mir nichts anderes übrig, als 'einen Schritt zurück zu treten'. Also freiwillig die fetten Jahre aufgeben und mich in die mageren begeben. Auch wenn ich dies niemals bereut habe, ist es nicht geräuschlos an mir vorbei gegangen. Ich ging in großem Stil an die Sache heran: kaufte Brogues (schicke Schuhe), einen Anzug, holte meine Englischen Krawatten zu Vorschein und bot mich an als Berater bei einer Japanischen Firma.

Verlassenheit

Die Japaner brauchten mich nicht, und so beschloss ich das zu tun, was ich am besten konnte: meine Praxis wiedereröffnen. “Praxis für präventive Therapie” nannte ich es. In erster Linie wollte ich lieber nicht symptomatisch arbeiten - auch nicht in der Naturheilkunde - , sondern den Leuten zu helfen ihre eigene Verantwortlichkeit zu nehmen. Es musste viel Geld geliehen werden, um dies alles aufzubauen. Die Idee, dass mir mein guter Ruf aus vergangenen Zeiten helfen würde, erzeigte sich als eine jämmerliche Illusion. In zehn Jahren war die Welt verändert. Während ich früher ‘als König Einauge im Reich der Blinden’ war, schien jetzt an fast jeder Straßenecke ein Homöopath ansässig zu sein. Die meisten Leute hatten so ihre eigenen Adressen und schienen nicht auf mich zu warten. Blieb mir also nichts anderes übrig als michselbst zu verkaufen, für michselbst Werbung zu machen und michselbst bekannt machen. Obwohl ich es hasste, war ich gezwungen "marktorientiert" zu denken und handeln. Alles was ich in diese Richtung unternahm, widerstrebte meinem meist fundamentalem Lebensgefühl. Eigentlich wollte ich einfach nur da sein für meine Mitmenschen, dennoch mußte ich mich quasi an sie aufdringen, mein Leben manipulativ und instrumental einrichten um eben diese Mitmenschen zu erreichen. Während meine Motivation zurückzuführen war auf dem ‘Zurückgeben’ von allem was ich in diesem Leben habe empfangen dürfen, fühlte ich mich gezwungen aus jeder Begegnung buchstäblich Kapital zu schlagen. Mein innerlicher Widerstand wurde so groß - und die Patsche, in der ich saß, immer komplizierter - dass ich ziemlich schnell depressiv wurde. Was hatte ich um Himmels Willen bloß getan? Ich zweifelte, ob ich wohl die gute Wahl getroffen hatte. Das eine Unglück folgte dem anderen. Gläubiger und Gerichtsvollzieher waren mir dicht auf den Fersen. Eine Gerichtsverhandlung war das Resultat; ich verlor. Diesem Druck war ich nicht gewachsen. Unter diesen Umständen gab es nur noch eins: den "Laden" wieder schliessen.

Nach dieser Ouvertüre war ich ziemlich angeschlagen. Ich merkte wie fragil ich eigentlich war in Bezug auf die vielfältige Gewalt die da auf mich zukam. Ich fühlte mich wie ein Lamm unter Wölfen. Auch mein Körper war noch immer schwach und empfindlich. Deswegen beschloss ich bewusst schlechte Nahrungsmittel zu mir zu nehmen: Pommes, Fleisch, Kaffee. Einfach nur um ein Polster zu haben um mehr Widerstand leisten zu können. Niemand erkannte meine ’kosmische Herkunft’, was nicht nur einen "Schlag für mein Selbstbild" war, sondern auch Perioden von grosser Einsamkeit zur Folge hatte. Niemand begriff mich, sah mich, und ’Anerkennung’ bekam ich schon gar nicht. Während mein Wesen die ganze Welt einschloss, fühlte ich mich von den Menschen ausgeschlossen. Nur mit der Natur konnte ich resonieren. Mit Pflanzen, Bäumen, Blumen und Sträuchern war ich auf gleicher Ebene. Nur sie hatten dieselbe Subtilität, dieselbe Wellenlänge. Unvermeidlich wurde ich jedoch der täglichen Welt immer mehr ausgeliefert und wurde meine kostbarste Innerlichkeit begraben unter den vielfältigen Einflüssen. Es war ein Desaster zu entdecken, dass, wenn man einen Schritt in die Welt setzt, man sofort von derselben Welt verschlungen wird. ’Selbstständig Unternehmen’ - wenn man das schon machen will - ist eine Illusion; man wird unmittelbar ein Sklave des Systems. Ich hatte keinen Widerstand gegenüber der Häßlichkeit, in der ich verkehrte; all die Unwissenheit, Arroganz, Stumpfsinnigkeit, Selbstsucht und Grobheit. Ich fühlte mich verlassen, auf mich selbst zurückgeworfen, isoliert und vom Göttlichen im Stich gelassen. In Niemandsland war ich gelandet, ich gehörte noch in die eine Welt, noch in die andere.

In den Schattentälern
Weit von Dir entfernt
Oh meist innigste Geliebte
Eisig ist es
In der rauhen Welt der Abgeschiedenheit

Jetzt wo Deine lieben Hände
Mich nicht mehr berühren
Zuvor in purem Tanzgenuss
Mich insinnig entzückend
Fühle ich mich nun auf dürrer Ebene verlassen

Derweil Deine Liebesglut
Meine Haut schmelzen ließ und
Die Welten zusammenfloßen in
Göttlichem Gelee
Überkommt mich jetzt eine bröckelige Mattigkeit

In die Einsamkeit getrieben von
Der Welt die Dein Tanz ist
Fühle ich mich wie ein Lahmer
Zurückgestoßen durch Schatten
Bis in die Knochen spüre ich meinen stummschreienden Schmerz

Da Du mich angesteckt hast
Mit dem Nektar Deiner Göttlichen Körpersäfte
Ist das brennende Fieber
In mir nicht mehr gewichen
Geweckt ist das Verlangen wodurch Du mich verzehrst

Ruhelos such ich in
Der Welt der Schatten
Nach dem Einen Licht
Oh, gib mir den Gleichmut, so dass
Ich Dich in dem dunklen stillen Tor wieder finden kann

 

Oh, wäre ich doch ungeboren
Die Stimme der Stille stumm
Dann würde ich nun nicht hören
Die ferne Rufstimme aus der Schlucht

Die Echo’s in meinen Ohren
Wie konnte ich so tief sinken
Lied vom ewigen Morgenrot
Schmerzlich widerhallen

Nun kein sterbliches Wesen
Mich mehr begleitet im gehen
Wer wird mich jetzt noch heilen
Raum gebend in meiner Bahn

Ruhelos suchend im Dunkeln
Einmal übers andere vergessend was ich vermeide
Es ist der Düsternis Gefunkel
In sichselber das befreit

 

Selbstbezogenheit

Es gab schon ein Ausweg aus dieser Leere, nämlich sichselbst in sein kleines ich aufbauschen. Das kannte ich schon von klein auf an. Immer wenn ich mich verstoßen oder abgewiesen fühlte, zog ich mich zurück in meinen Turm von Elfenbein. Aus dieser selbstüberhobenen Sicht schweifte mein Blick über diejenigen "die viel niedriger standen". Kurze Zeit ergab sich diese Position als komfortabel, bis die Abgeschiedenheit peinlich akut wurde. Dann wird der Andere wieder benötigt und der Abstieg beginnt. Oder, wie ich später manchmal bei Sinfoniemusik erfuhr, das wörtliche auf- und abschwellen des kleinen Ichs, welches so groß und kräftig wird, dass man in kürzester Zeit ’den ganzen Raum füllt’. Ein mächtiges Gefühl, einfach fantastisch. Vor allem für jemanden wie mich, der von klein auf sein Selbstrespekt verloren hatte und sich zurückgeblieben und unmächtig fühlte. Wenn ich schon nicht mehr von der Quelle ernährt wurde, ’dann musste ich es eben selber deichseln’, ein Slogan aus meiner Kindheit, dämmerte es mir. Wenn es zeitweilig Linderung brachte, dann konnte es doch nicht so schlimm sein, um mich aufzubauschen; so hielt ich mir vor. Ich bin mir dessen ja schließlich fortwährend bewusst. Und so war es auch. Es war doch der Sinn dieser dunklen Nacht, dass all dasjenige, was unverarbeitet geblieben war, ans Licht kommen zu lassen. Integration beinhaltet Offenheit und Gutheißung von gerade den Dingen, die weniger angenehm sind. Also ließ ich es geschehen. Unzählige ausgeschlossene psychische Inhalte kamen an die Oberfläche. Mein Geist - die bewusste Wahrnehmung - sah (gleichzeitig) zu, wie all die verschiedenen Teilaspekte aktiv eingebaut wurden. Das gab mir ausserdem die Einsicht, dass Erleuchtung allein nicht einleuchtend genug ist. Was wiederum bestätigt wird durch all die privaten Geschichten über Erleuchtete Meister. Ohne Ausnahme berichten Intimi über solche Heiligen, über ihre überdeutlich anwesenden Schattenseiten. Über regelmäßig losplatzenden Wutanfälle zum Beispiel. Es sind die Seiten die nun einmal nicht an die Aussenwelt gezeigt werden. Ihr Selbstbild und Eigennutz (liessen) lassen das nicht zu. Unterdrücken sie die Schatten jedoch, was also geschieht, dann wird der eine nach dem anderen ernsthaft, chronisch krank. Ich war froh, von diesen Verwandten lernen zu können, ich schätzte michselbst glücklich, dass ich den Mut hatte „hinabzusteigen“, um da etwas dran tun zu können. In der ersten Zeit schrieb ich folgendes selbst-ironisches auf:

Sieh die Leute nach mir schauen
Bin auch wohl etwas besonderes
So merkwürdig ist es also garnicht
Natürlich merken sie es

Soviel Menschen schlafen noch
Haben dringend jemanden nötig
Der ihnen den Weg weisen kann
Schau doch nur nach all dem Leiden

Wirklich jeder hat Probleme
Wer möchte das schon sehen
Dabei ist es doch so einfach
Ich muss dringend etwas daran tun

Darum bin ich dann auch hier
Sie brauchen mich
Es wird nicht umsonst sein
Das macht meinen Auftrag so besonders

sie sollten bloß ein Bißchen unterstützen
organisieren hier und dort
dann kann es auch ein Bißchen wachsen
wachsen zu etwas Größes

Inzwischen bereite ich mich vor
Warten ist nur noch auf das Signal
Ich bin wirklich sehr aussergewöhnlich
Heilig und königlich zugleich

Einfach geduldig sein und warten
So tat es Buddha doch auch
Auch wenn der Gral mich reizt
Werde ich schnell bekannt werden

Oh Volk, ich kann nicht länger warten
Erwacht alle zum Allergrößten
Seht doch, was bereits los ist
Folgt mir im gemeinsamen Kampf

Alles in meinem Leben habe ich zu danken an Himmel, Erde und den Menschen. Ohne sie wäre ich nichts. Darum kann ich auch nicht anders, als zu arbeiten „für die Ganzheit“, eine Arbeit, die mich 24 Stunden am Tag in Anspruch nimmt. Arbeiten ist für mich ein Loblied, eine Dankfeier, ein Kultus. Zu meiner Schande muss ich jedoch eingestehen, dass ich - seit ich zurück bin in der Welt (1987-2000) - mirselbst ununterbrochen Gewalt angetan habe. Denn ich machte nicht die Arbeit, die ich hätte tun sollen. Anstatt ausschliesslich für, in und aus dem Selbst zu leben, kapitulierte ich jedesmal vor derselben Welt. Wodurch das meist Kostbare, Subtile, Delikate, Empfindsame, Ursprüngliche, Unschuldige, Transparente, Dasjenige Was Ich In Essenz Bin und woran ich alles zu danken habe - das wahre Leben - immer wieder zertreten und verraten wurde. Indessen war ich selbst dabei und doch ließ ich es geschehen: die Sorge um das tägliche Überleben hatte die Oberhand. Immer wieder schloß ich Kompromisse - unterlag ich dem Druck meiner Umgebung - immer wieder kam ich in Versuchung, Dinge zu tun, die in totalem Widerspruch zu meinem Lebensgefühl und Auftrag sprachen: Werbung, Selbstbeförderung, Sachlichkeit, Eigennutz und Management.

Dabei fiel ich notwendigerweise zurück auf mein kleines ich, dasselbe selbst, dass durch die Grossen Erfahrungen jedoch dermaßen auseinandergenommen war, dass ich damit nicht mehr (gut) funktionieren konnte. Denn, bist Du einmal berufen um zu Sein, dann bist Du buchstäblich nicht mehr von dieser Welt. Mit diesem „leeren Selbst“ bewegte ich mich dann auch von einer Erschöpfung zur anderen. Trotzdem wurden die Notschreie vom Sein nicht oder ungenügend von mir honoriert. Die Folge war ein Schuldgefühl, gleich jemand empfindet der einen, der um Hilfe ruft, verrecken lässt. Bei Zeiten häuften die Schuldgefühle sich so auf, dass ich mich wirklich ekelte vor mir selbst. Spürst Du die Ironie? Derjenige, dessen Auftrag es ist anderen zu helfen sichSelbst zu sein, ist nicht in der Lage, sichSelbst dasselbe zu zugestehen. Es scheint in der Mode zu sein, um dieses nun völlig Dirselbst zuzuschreiben. Das ist jedoch nur ein Teil der Wahrheit. Ich musste nicht nur mit meiner eigenen Angst und Sorge an die Gange, gewiß; es liegt jedoch auch an der Umgebung, die doch kaum Spielraum hat für „Gottesleute“. Menschen, die gerufen sind um zu Sein, haben in dieser Leistungsgesellschaft keinen Platz. Sie sind, genau wie alle anderen, verurteilt zum andauernden Ringen um materiell gesehen „den Kopf über Wasser zu halten“. Trotz alledem habe ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass jemals der Moment anbrechen wird, indem mir diese Last abgenommen wird. Nicht so sehr zu meinem Eigennutz, sondern von allem und jedem.

Neid/Eifersüchtige Monologe

„Das war ein strahlender Eintritt! Das muss er wohl gesehen haben. Nicht so schön für ihn. Es war doch deutlich etwas an mir zu merken. Und wie er da so mickrig saß. Und das nennt sich Meditationslehrer. Ganz schön gewagt, um den Meister zu spielen. Ist doch nicht zu fassen. Na ja, so sieht man mal wieder, so fällt man also vom Sockel. Seine Äuglein werden wohl aufgegangen sein. Er spürt den Unterschied natürlich auch. Darum verschwand er wahrscheinlich so schnell”.

„Ja, das kann ich auch. Einiges gefällt mir sogar schon. Aber sonst... Das ist ja Pfarrersprache. Dasselbe Gefasel wie früher, aber dann in einer anderen Jacke. Philosophie ist es, einfach nur ausspinnen von Abstraktum und schönen Worten. Man macht's sich leicht. Sicher viel gelesen. Dann bleibt immer mal was hängen. Wenn du genug Spinat isst, kommt’s von selber grün wieder heraus. Nee, es ist nix. Es ist nicht echt, nicht ursprünglich. Kommt nicht aus eigener Erfahrung, oder. Was haben die Leute da nun wirklich dran. Höchstens das sovielste Büchlein in der Reihe. Auf jeden Fall sieht es schon gut aus. Solche Leute verstehen ihren Kram”.

„Der ist ja ziemlich gut. Haben sicher gute Sachen zu bieten. Aber er sitzt ein wenig in seinem Kopf. Ganz schön viel eigentlich. Viel zu intellektuell. Gerade von der Stufe müssen wir herunter. Schade eigentlich, dadurch kommt er nicht recht zur Geltung. Sie scheint auch so wissenschaftlich zu sein. Darum geht es dort so todernst zu. Ich sehe nur selten, dass Leute lachen. Die laufen da alle mit dem Blick auf den Boden. Das ist auch wieder ein Bißchen extrem. Eine tüchtige Portion Humor würden denen schon gut tun”.

"Ja sicher, er möchte selber auch gern etwas Aufmerksamkeit. Und wie. Das kann man doch deutlich sehen. Er hat das in sichselbst nie überwunden. Das kann er doch eigentlich nicht machen. Man kann doch nicht ein Meister und erleuchtet sein, wenn man geistig noch nicht alles verarbeitet hat. Das geht doch nicht. Man sieht es ganz deutlich. Er hat die Menschen nötig, er zieht sie an sich heran um sie nicht wieder los zu lassen. Er trägt sein Erleuchtet-sein zur Schau; Menschen summen wie die Bienen um ihn herum, und er sammelt den Honig ein. Daher das ganze Theater mit all den Äusserlichkeiten. Seine Anhänger haben garnichts davon. Für deren spirituelle Befreiung ist das doch überhaupt nicht nötig. Irgendwie ist er doch schon ein Ego-Tripper. Wieviel Stress wird ihm das nicht kosten. Er hat nicht ohne Grund einige chronischen Krankheiten. Meiner Meinung nach unterdrückt er so einiges. Irgendetwas stimmt da nicht. Für seine Anhänger könnte das verhängnisvoll werden. Erst werden ihnen Krücken angeboten, die sie danach nie wieder los werden".

“Wie manche also, nachdem sie den ersten Schimmer wahrgenommen haben (um noch mal ganz zu schweigen von denjenigen, die selbst das nicht hatten), gleich den ‘Meister’ spielen zu wollen. Kaum zu glauben. Zugegeben, ihr marktbezogenes Durchgreifen ist etwas, was ich nicht habe. Ab und zu bin ich schon mal eifersüchtig auf ihre Erfolge. Besserwisser "all over the place", so erfüllt sie von ihrem Auftrag, ihren Überzeugungen und ihren Rechthabereien, sind. Ich durchschau sie mühelos. Gerade, weil sie leere Fässer sind, füllen sie sich mit “Gott”. Die innerliche Unsicherheit wird ausgefüllt mit unaufhaltsamen Missionsdrang. Die prächtigsten Worte kommen wie süßer Nektar aus ihrem Mund. Schliesslich müssen die Leute an ihren Lippen hängen bleiben. Was bin ich froh, dass ich niemanden zu überzeugen brauche”.

Der Widersacher

Wieviel Leiden manche durchmachen müssen, bloß weil sie eine falsche Lehre befolgen! Die eigene Einstellung zum Leben ist jedoch daran Schuld. Wenn Du gierig bist nach der Erleuchtung oder im Schnellkurs von Deinem Leiden befreit werden möchtest, dann ist es unvermeidlich, daß Du in den Händen denjenigen fällst, die Dir "das ewige Glück" versprechen. Das Leben ist jedoch größer als die von uns entworfenen Prinzipien. Das Erste was Du in dieser Hinsicht wissen solltest ist, daß auch nach einer Großen Erfahrung das Ego früher oder später wieder zurückkommt. Also nicht "einmal erleuchtet, für immer erleuchtet". Der Weg dient nicht dazu um "das Leiden loszuwerden". Im Gegenteil: das Leiden begleitet Dich ständig. Seine Funktion ist Dir immer neue Herausforderungen zu bescheren, wodurch Du wachsen kannst. Das Leben gleicht einer Blume. Am Morgen öffnet es sich, während es sich Abends wieder schließt. In der Praxis heißt dies, daß mit dem Einen im Hintergrund, das tägliche Bewußtsein ständig eine andere Qualität hat. Mal größer, mal kleiner, mal klarer, mal getrübt. Das Problem entsteht, wenn Du Dich mit Deinem Ideal identifizierst, wodurch das tägliche "Hier und Jetzt" blockiert wird. Das Hier und Jetzt ist jedoch das einzigste Tor zur Befreiung. Ironie: Sucht nach Befreiung ist der größte Hindernis auf dem spirituellen Weg.

Das zweite was Du wissen solltest ist, daß mit der Zunahme des inneren Lichtes das Ego entsprechend wächst. Warum? Der Grund ist, daß mit der Erweiterung des Bewußtseins die Existenz des Ego's bedroht wird. Die Gefahr ist, daß es in die Leere aufgelöst wird. Vorangetrieben durch existentielle Angst wird es deswegen alles tun um zu überleben. Bewußtseinserweiterung und Ego-stärke halten einander ständig im Schach. Licht und Schatten sind zwei Seiten derselben Medaille! Wächst das Licht, dann wächst auch der Schatten. Es bedeutet, daß ständig Konfrontationen stattfinden zwischen Dir - Dein Neues Selbst - und Deinem "Widersacher". Und das ist noch nicht alles. Wie wir wissen ist die Funktion des Ichs Identifikation mit innerlichen und äußerlichen Objekten. Das hat seinen Nutzen, denn es garantiert eine gewisse Sicherheit im täglichen (sozialen) Leben. Auf dem spirituellen Weg wird die Identifikation jedoch zum Hindernis. Identifikation mit den täglichen Dingen (Krawatte, Auto, Partner) ist jedoch harmlos im Vergleich zu spirituellen Werten. Es ist unvergleichbar interessanter für das Ego um mit Deinen spirituellen "Errungenschaften" zu prunken. "Ich, der Erleuchtete". Es ist die größte Herausforderung auf dem Weg. Die meisten - ins Besondere Lehrer - wagen es garnicht unter Augen zu sehen.

Es steckt auch noch einen anderen Mechanismus dahinter. Nehme mal an, Du hast eine große Öffnung bekommen. Abhängig von der Intensität (es gibt sehr viele verschiedene Qualitäten der Verwirklichung!) bleibt sie einige Zeit Dein Bewußtsein dominieren. Derartig, daß Du denkst "dies ist es", dies ist das Alpha und Omega. Wodurch Du in der Zeit danach versäumst, ständig selbstkritisch zu bleiben. Du meinst es erreicht zu haben, wodurch weitere Arbeit an Dichselbst nicht mehr nötig ist. Du bist dann so mit dem Licht identifiziert, daß Du nicht bemerkst, daß in Deinem (erweiterten) Raum womöglich noch Inhalte versteckt sind. Von einem kannst Du Dir sicher sein: solche Inhalte gibt es immer. Sie werden bloß vom Licht "überschattet", derartig daß Du sie nicht bemerkst. Es sind die verdrängte Emotion-komplexe aus der Vergangenheit: Schmerz, Angst, Wut, Minderwertigkeitsgefühle, Selbstmitleid.....Was passiert? Je mehr das Licht zunimmt, desto mehr einen solchen Komplex die erhöhte Energie zu sich zieht, wodurch der Letzte sich Schritt für Schritt aufbläht. Längere Zeit ohne das Du es bemerkst. Der Komplex wird vom Licht gefüttert, bis es so stark wird, daß eine Grenzsituation erreicht wird. Es kann dann vorkommen, daß man "über Nacht" vom Schatten überrumpelt wird. War man kurz zuvor noch "voller Liebe und Harmonie", auf einmal haben Bitterkeit, Haß, Frust und Negativität Besitz von Dir ergriffen.             

Läuterung

Der Widersacher ist ein Beispiel davon, wie es auf dem spirituellen Weg schief gehen kann. Man ist wirklich vielen Gefahren ausgesetzt. Das verstehen jedoch die wenigsten. Sogar Lehrern fehlt den notwendigen Übersicht. Sie befassen sich nur mit einem Bruchteil des Weges. Zum Beispiel scheint es völlig legitim zu sein, wenn man sich ausschlieißlich auf den "Durchbruch" konzentriert. Hat man den jedoch bewerkstelligt, dann fangen die Probleme erst an. Das fällt dann oft leider außerhalb der Kompetenz des "Meisters". Also wird man ganz auf sichselber zurückgeworfen. Der richtige Anfang ist entscheidend. Ist Deine Motivation auf den spirituellen Weg zu gehen falsch ("etwas erreichen wollen") oder zu schwach ("Neugier"), dann ist das der Keim für spätere Schwierigkeiten. Eine kurze Übersicht. Ego-identifikation mit der Erleuchtung. In diesem Fall wird man beherrscht von der Ambition etwas erreichen zu wollen, eine selbstsüchtige Motivation also. Oder man hat ungenügend authentisches Verlangen bzw Triebfeder. Dann wird es schwierig sein spätere Hindernisse zu überwinden. Vorkenntnisse spielen auch eine wichtige Rolle. Zum Beispiel die Einsicht, daß nicht Verwirklichung, sondern Integration von der Persönlichkeit in das Neue Selbst entscheidend ist. Der Weg umfaßt das ganze Leben, daher daß unsere Vorgehensweise sieben Schritte umfaßt: Erwachen, persönliche Integration, verwurzelt-sein in Himmel und Erden, Durchbruch des Lichts, Reinigung/Läuterung, Zuflucht in das Letztendliche und Mitgefühl/Dienstbarkeit.*

* Siehe Kapitel 9 "Der Universelle Weg"

Je mehr sich das Bewußtsein erweitert, desto schwächer Dein Ich wird. Mit dem (kleinen) Ich mußt Du Dich jedoch in der Welt behaupten. Das heißt, daß Bewußtwerdung Dein Vermögen im "normalen" täglichen Leben zu funktionieren, untergräbt. Mit einem geschwächten Ich kann man den ungeheuren Forderungen dieser verrückten Gesellschaft nicht meistern. Es dauert einfach eine Weile bevor Dein Bewußtsein die Stelle des kleinen Ichs eingenommen hat. In der Zwischenzeit kann es ziemlich verwirrend sein ständig zwischen den zwei hin und herschwanken zu müssen. Deswegen sagte schon Sri Ramakrishna, daß zugleich eine Haushalt und ein spirituelles Leben führen nicht mit einander zu vereinbaren sind. In diesem Fall muß man sich entweder mit bewußter Aufmerksamkeit (Mindfullness) zufrieden stellen, oder, wenn Du Dein ganzes Leben der Spiritualität widmen möchtest, die Konsequenz ziehen. Man sollte sich dann eine Gemeinschaft (Kloster) auswählen. Eine derartige Unterstützung ist unbedingt notwendig als Rahmen für Inspiration, Disziplin und gegenseitige Hilfe. Aber das ist noch nicht alles. Mußte vor einiger Zeit "die Welt" von der Spiritualität "gerettet" werden; jetzt befindet sich die Spiritualität selbst in große Probleme. Sie ist nicht im Stande die Kräfte des Materialismus bzw des "habens" die Stirn zu bieten. Spiritualität ist degradiert worden zu einem Trick, der dazu beitragen soll das bestehende Leben noch glücklicher, erfolgreicher, effektiver oder erträglicher zu machen. Sie soll unsere Ego-begierden unterstützen, statt sie zu überwinden*.

* Sie ist schon längst von Big Business vereinnahmt worden, der sie ausnutzt für ihre nicht zu sättigen Profitgier.         

Obengenanntes ist der Grund weshalb in vielen Traditionen Reinigung/Läuterung einen festen Platz haben. Persönlich war die Zeit der Auseinandersetzungen die schwerste in meinem Leben. Manchmal wurde ich auch geholfen. Das passiert, wenn die geballte Energie keinen Ausweg mehr findet und plötzlich in Dir durchbricht. Energie und Widerstand zusammen können eine enorme innerliche Glut und Hitze entwickeln. Wenn dann eine kritische Grenze erreicht ist, verbrennt und verzehrt sie mit einem Schlag all Deine alten Strukturen. Das höhere energetische Niveau setzt Deine rigiden unverarbeiteten Teile so unter Spannung, dass diese in der verzehrenden Glut verschwinden. Diese Kettenreaktion ist sowohl geistlich wie auch körperlich; beide werden gleichzeitig von ‘altem Gerümpel’(Deine Identifikationen) gesäubert. Manchmal passiert dies in einem Mal, andere erfahren diese Reinigung unzählbar oft. Hier spielt die Notwendigkeit eine Rolle. Kennzeichnend ist fast immer ein überwältigendes Gefühl von orgastischem Genuß oder von einer hemmungslosen Zerstörungskraft, Durchlässigkeit, innerliche Befreiung, und schliesslich komplette innerliche Stille, Ruhe und Frieden. Dein innerlicher Spielraum ist gesäubert und heller wie je zuvor. Dieses Urphenomen ist in vielen spirituellen Traditionen bekannt. Das Kapitel ‘Kundalini’ handelt darüber.

Identität

Zu meinem Erschrecken bemerkte ich ziemlich schnell, dass jede Identifikation mit einem gestellten Ziel nicht Stand hielt. Alles was ich unternahm, begann mit der Begeisterung eines Anfängers - Kreativität und Ideen im Überfluss - um kurz danach zu entdecken dass die Energie zerronnen war. Das war überaus peinlich, besonders in jenen Fällen, in denen ich durch meine Begeisterung auch andere in meine Projekte einbezogen hatte. Ich zerbrach mir meinen Kopf, um dahinter zu kommen, was das war. Nie zuvor hatte ich so etwas, auf jedem Fall nicht in diesem Maße, mitgemacht. Natürlich wurde mir klar, dass das Letztendliche mich buchstäblich auseinandergenommen hatte. Es zog mich immer wieder in Seinen Raum um mich dort auflösen zu lassen, sodass meine Verbindungen ‘mit der Welt’ abgeschnitten wurden. Mir wurde die Kraft entnommen, mich noch mit etwas zu identifizieren. Darum, kam alles aus dem Nichts und versank unmittelbar wieder dorthin zurück*. Es gab kein ich mehr, eine ständig aktive Instanz, die eine Kontinuität garantierte. Wieviel Menschen musste ich darum nicht enttäuschen, ohne dass sie auch nur etwas davon zu begreifen konnten. Das bedeutete auch, dass es sehr schwierig sein würde, wenn nicht unmöglich, um in dieser Welt zu funktionieren. Eine Welt, in der es gerade darum drehte, um gezielt, effektiv und ..... gewinnbringend zu sein. Aus der daraus entstandenen Panik tat ich alles um mich aufrecht zu erhalten. Unfreiwillig in die Gasse zu landen, war nicht gerade ein verlockendes Ziel. Doch war ich oft ziemlich nahe dran. Ich wand mich wie ein Aal, probierte alles, passte mich an obwohl ich nicht wollte, habe eine Woche nichts zu essen gehabt, habe Leuten geschmeichelt, um Unterstützung gebettelt, mein wahres Selbst verraten und mich erniedrigt bis auf unakzeptable Ebenen, und das alles nur um aufrecht zu bleiben. Ich beneidete die Heiligen in Indien, die wegen ihres Seins und nicht wegen ihrer Funktionsfähigkeiten, hoch im Kurs stehen.. Anstelle solcher Würdigung, musste ich in zunehmendem Maße erfahren, wie hier jeder jeden gebraucht.

* Die Aufgabe liegt darin, daß man allmählich seine "normalen" Ich-funktionen wiederherstellt - jetzt jedoch im Dienste des Ganzen - um "letztendlich" eine neue Balance zu erreichen: zwischen Leere und Form, zwischen was man Ist und seine Funktionen. Erst dann kann der spirituelle Weg als gelungen betrachtet werden.

Die Ironie des Ganzen war, dass “einfach nur michSelbst-sein“ sich herausstellte als eine aussichtslose Sache. Wenn ich wirklich michSelbst bin - nota bene dasjenige was ich anderen vor Augen zu halten pflege - dann lande ich unmittelbar in der Leere. Alle Energie ist dann eingeströmt in vollkommen hell-anwesendes Nichtstun. Dann sitze ich den ganzen Tag glückselig im Stuhl, sowie es in meinen paradiesischen Jahren manchmal wochenlang hintereinander passierte. Während bei anderen ‚dichSelbst-sein’ einen hohen Wert hat, eine optimale Kreativität garantiert, Unternehmungsgeist und Gedeihen; so wirkt es bei mir gerade andersum. Im Stuhl sitzen ist keineswegs produktiv; niemand wird das interessieren, damit kann man sein tägliches Brot nicht verdienen. Um funktionieren zu können, musste ich just Abstand nehmen vom Selbst, und durch eine künstlich aufgebaute Identität meinen Weg finden. Ist das nicht ironisch? Hat man “Es erreicht“, darf man Es nicht behalten und wird man gezwungen Es wieder los zu lassen. Einfach, weil man in dieser Gesellschaft keine andere Wahl hat. Wenn man im Wesen nicht sein darf, wer ist man denn oder wer muss man dann sein? Dieses Suchen nach 'der richtigen Form' hat mich denn auch jahrelanges Kopfzerbrechen gekostet. Hunderte verschiedene innerliche Stimmen - jede mit wohlgemeintem Rat - drängelten sich in mir hoch: 'Mach Dich einfach bekannt als 'der Neue Buddha', oder 'Geh arbeiten für die Armen' (in der Tat habe ich ein halbes Jahr in Brasilien gearbeitet), oder 'Tu halt nur das was Dir gefällt', oder 'Geh ins Theater und spiele dort den NarrGottes', oder 'Werde Bauer', oder 'Bewerbe Dich einfach' (tatsächlich habe ich mich bei fast vierzig verschiedenen Entwicklungsorganisationen beworben), oder ....Nichts wirkte. Jede Identifikation wurde unmittelbar heruntergeputzt. Hat man einmal die Leere realisiert, ist Sie stärker als alles was darin aufkommt. Bevor man sich an etwas festklammert, ist es schon wieder verschwunden. Es war eindeutig: ich saß in der Patsche mit mirselbst und der Welt. Glücklicherweise hatte ich Freunde, die mir im richtigen Moment ab und zu die helfende Hand reichten, auf dass ich wieder für kurze Zeit überleben konnte.

Übrigens: 'Keine Wahl treffen, wenn du denkst, dass du eine treffen solltest', dies spielte höchstwahrscheinlich auch eine Rolle. Intuitiv begriff ich, dass dieses Fegefeuer und dieses Leiden eine Funktion hatten. Um mich in dieser Phase irgendwie zu verankern - wenn es überhaupt möglich gewesen wäre - schien darum nicht der richtige Weg. Ein leuchtender Punkt war der Göttliche Funke, der innerliche Spielraum; dadurch konnte ich alles geschehen lassen, ohne dass ich in meinem Wesen angetastet wurde. Ich litt unter den Dingen, ohne dass sie mich beherrschten. Erstere befanden sich bloss an der Peripherie, weil ich in meiner Mitte war. Deswegen ging alles immer wieder vorüber. Diese innerliche Freiheit wich nie von meiner Seite. Das ist auch der Grund warum, auch sichtbar für andere, mein 'Elan' wohlbehalten blieb.

Da ich auch immer weiter in Selbstmitleid abzugleiten drohte, wurde ich gezwungen um meine Ganzwerdung konstruktiv zu gestalten. Einige Methoden, wie zum Beispiel die Bio-Energetika, hatte ich bereits ausprobiert: Resultate blieben aus. Schliesslich fiel meine Wahl auf Voice Dialogue. Immerhin wollte ich eine nachhaltige Übereinstimmung aller Dimensionen in meiner Psyche. Eine Methode, in der die Interaktion von sowohl den unterdrückten Emotionen, der Reflexion (das ‚ich’), als auch die bewusste Aufmerksamkeit gleichzeitig an die Reihe kommen. Dies nannte ich später ESI (emotionale Selbstintegration). Daran habe ich unsagbar viel zu danken gehabt. Anstatt michselbst verändern zu wollen, gab ich an alles was gerade in mir aufkam, bewusst Spielraum. Die Emotionen sind immer auf Komponente vom Selbst zurückzuführen, nicht von Deinem (wahren) Ich. Weil Du sie nicht wirklich bist, kannst Du ihnen ruhig den Spielraum geben. Damit hat die Emotion die Chance ‚sichselbst’ zu sein, sich zu äussern. Daraufhin gab mein Reflexion hierauf Kommentar, und anschliessend Erkennung, Hinnahme und liebevolle (körperliche!) Umarmung des Teiles, sodass er wieder Teil des Ganzen wurde. Mit zum Schluss immer stille Aufmerksamkeit. Dieser Prozess dauerte oft mehrere Stunden am Tag; und das mindestens fünfzehn Jahre lang! Von einem kommt das andere, es ist unglaublich was da so alles in Dir schlummert, und wie einfach es ist um sich dessen bewusst zu werden. Neben Selbstbezogenheit waren meine dominanten Teilpersönlichkeiten Schmerz, Selbstmitleid, Neid und Wut, Angst, Kontaktscheuheit und Aufgeblasenheit. Alle Inhalte wurden jedoch in diesem Prozess als Komponente/Teile von mirselbst nachträglich zugelassen und liebevoll umarmt. Obwohl sie anfänglich rauh, unpoliert, abstossend waren und einen negativen Charakter hatten, wurden sie, nachdem sie mehr integriert waren, stets mehr Teil vom mirselbst. Befreit von ihrer Abgeschiedenheit und den scharfen Kanten, erwiesen dieselben Eigenschaften sich als sehr nützlich. Transformierter Schmerz wird (bei mir) zum Vermögen des Einlebens, Wut versetzt sich gegen Unrecht, Narzismus brachte die Liebe für michselbst und die Aufgeblasenheit verwandelte sich in ‚"eine neue Gemeinschaft’.

Derweil Du Dich zum Licht begibst, komme ich von dort

Kennemerduinen 1990

Wie üblich saß ich auf meinem Fahrrad und genoß von der Umgebung. Ich fühlte meine Fußsohlen auf den Pedalen, als wäre es meine 'erste Natur''; mein Gesäß völlig entspannt im Sattel und das Steuer als Verlängerung meiner Arme. Mein Radeln, das Fahrrad und ich waren ein. Plötzlich und vollkommen unerwartet wurde ich 'eingeschaltet'. Es war überall, die Bäume, die Dünen und ichselbst waren gleichzeitig darin aufgenommen. Es war ein Zustand in dem Kraft und Leere ein und dasselbe waren. Spontan gab ich fremde Jubelschreie zu Gehör. Ich konnte nicht anders als an dieser Verrücktheit zuzugeben. Wie ein Betrunkener wurde ich fortbewogen. Dies hielt ziemlich lange an, jedenfalls solang, bis ich wieder zu Hause war und meine Freunde es bemerken konnten. Mein Augenstand war auch irgendwie "anders". Dies ist ein Vorbild von der Tatsache, dass auch in der 'Dunklen Nacht der Seele 'meine 'Erfahrungen' einfach weitergingen. Darum auch war 'das Dunkel mir hell genug'*.

*Nach Johannis vom Kreuz

Japan und HongKong

Durch Zufall hatte ich das Vorrecht fast zwei Jahre im fernen Osten verbleiben zu dürfen. Erst in Japan, später in HongKong. Es waren zwei der glücklichsten Jahre meines Lebens. Meine Ankunft in Japan war einzigartig. Die Kombination einer Kultur die uns dem Anschein nach so fremd ist, vermischt mit dem zeitgleichem Gefühl von ’Heimkehr’. Ich war dort nicht wegen der Spiritualität. In einem Zenkloster Sesshins zu betreiben, zum Beispiel, hatte für mich keinen Anreiz. Mein Verlangen lag darin, dass ich ganz einfach nur eine Zeitlang dort wohnen wollte um das Japanische Leben in all seinen Facetten in mir aufzunehmen. Die Perfektion nach aussen hin (von der Japanischen Kultur) reflektierte meinen innerlichen Zustand. Es war die spirituelle Ästhetik, die mir gefiel. So genoß ich von allem, ohne Unterschied zu machen. Ich war dann auch in Erstaunen versetzt, wie mich eines guten Tages ein Shin-buddhistischer Priester ansprach und mich ersuchte, Zentrainings für Japaner in seinem Tempel zu geben. Ohne nachzudenken stimmte ich zu. Es wurde eine überaus erfüllte Periode.

Ermutigt durch meine Japanischen Erfahrungen, eröffnete ich kurz nach meiner Ankunft in HongKong das "Maitreya Mind Wholeness Zentrum". Im Gegensatz zu Japan war es nicht gerichtet auf die lokalen Personen, sondern auf Expats, Leute aus dem Westen also. Es ist erstaunlich, wie schnell man Kontakte legt in solchen Grossstädten. Alle Ausländer sind organisiert in Klubs und halten sehnsüchtig Ausschau nach Neuankömmlinge, um ihre Langeweile zu vertreiben. In kürzester Zeit wird dann ein Vortragabend organisiert. Fast ohne Mühe konnte ich die Menschen für meine Aktivitäten interessieren. Und ziemlich schnell hatte ich eine Meditationsgruppe beisammen. Auch das Ambiente in HongKong fand ich übrigens sehr hinreißend. Die meisten Leute denken nur an die grosse Stadt und vergessen, dass sie umgeben wird mit Provinz, mit tropischen Regenwäldern, ursprünglichen Chinesischen Dörfern, ungefähr 220 verschiedenen Inseln und vielen Stränden. So wohnte ich zum Beispiel auf der Lantau-Insel in einem Haus mit Dachterrasse; auf der einen Seite mit Aussicht auf Berge und Wälder, und auf der anderen Seite sah man den Strand, das Meer und kleine Inseln.

MeiMei

Jeder denkt natürlich, dass ich meine Frau MeiMei aus Asien nach Holland mitgenommen habe. Doch es kam anders. Ich traf sie im ISS, einem Ausbildungsinstitut der Niederländischen Behörde für die Dritte Welt. Dort hatte sie gerade ihr akademisches Studium abgeschlossen (MA Regionale Entwicklung). Ich sah sie auf einem Süd-Amerikanischen Festabend, wo sie, unberührt durch das Gewühle, beschaulich auf einem Stuhl saß. Diese Unbewegtheit berührte mich augenblicklich und sehr tief; es warf mich auf Anhieb um. Am selben Abend sagte ich zu meinen Freunden: “Ich bin keiner Frau, sondern einer Blume begegnet". In diesem Zusammenhang möchte ich erwähnen, dass ich viele Jahre zuvor oft mehr mit Blumen als mit Menschen verkehrt habe. Die stille Pracht resonierte mit meiner tiefsten Innerlichkeit. So war es mit meiner Begegnung mit MeiMei auch. Die Begebenheiten verliefen damals schnell hintereinander. Es musste gehandelt werden, da ihre Eltern keineswegs leichtfertig einem Liebesabenteuer mit einem Mann aus dem Westen zustimmen würden. Und schon ziemlich bald wusste ich mehr über ihren Hintergrund. Die Eltern von MeiMei hatten sich relativ früh bei der Befreiung von China durch Mao Ze Dong angeschlossen. Durch Selektion wurden sie daraufhin in die zentrale Regierung/Verwaltung zugelassen. Als die Mutter von MeiMei schwanger wurde, wollte sie diese abbrechen, weil eine Schwangerschaft ihren Einsatz für die Revolution hindern könnte. Durch persönliche Einmengung von Zou En Lai - der ausserordentliche und humane Premier von China - wurde dies verhindert. Darum auch ist er der Patenonkel von MeiMei; ohne ihn wäre sie nie geboren. MeiMei wuchs sehr behütet auf zwischen den Mauern vom Staatsrat, einem Komplex der angrenzt an die Verbotene Stadt. Sie erinnert sich Mao Ze Dong noch sehr gut. Sie schwommen oft im selben Schwimmbad....

Unsere Liebe war von Anfang an “grösser wie wirselbst“. Es war das Gefühl ununterbrochen im selben Raum zu sein. Vielleicht scheint es töricht, doch das “Persönliche“ kam dadurch irgendwie in den Hintergrund. Alles spielte sich von Beginn an “auf einem anderen Niveau“ ab. Alles spielte (spielt) sich ab im Kontext von inniger Freude. Wir verstehen einander mühelos. Da war auch überhaupt kein Gefühl von ’kultureller Verschiedenheit’. Selbstverständlich gab es Aspekte die ich interessant fand. Wie zum Beispiel, dass ihr Vater der erste Sekretär war von Parteiführer Hua Kwo Feng (der erste Parteileiter nach Mao Ze Dong), und dass ihre Mutter Direktorin vom Sekretariat des Staatsrates (Regierung) gewesen ist. Im alten China wäre MeiMei dadurch eine Prinzessin gewesen. Eigentlich fühlt es auch so an. Ihr innerlicher Adel, ihre natürliche Balance, ihre Subtilität und die liebevolle Anwesenheit gab (gibt) unserer Beziehung eine ungeahnte Dimension. Was bis auf den heutigen Tag (Winter 2007, gerade 14 ½ Jahre verheiratet) andauert. Merkwürdigerweise hat MeiMei in ihrer Jugend niemals ihre eigene (spirituelle) Tradition kennengelernt. Das war in den Jahren der Kulturellen Revolution verboten. (Übrigens hat ihre Familie viel von den schrecklichen Dingen mitgemacht, worüber soviel Bücher geschrieben sind. MeiMei ist jedoch zurückhaltend in dieser Beziehung; sie redet lieber nicht darüber).

Neben der Liebe, die wie ein seidenes Gewand um uns herum hängt, haben wir auch, spirituell gesehen, eine sehr positive Wechselbeziehung. Sie ist mein Engel ("gesandt von der Großen Mutter"), die mir geholfen hat eine grössere innerliche Stabilität zu entwickeln; während sie sich angesprochen fühlt durch Bewusstwerdung und Meditation. Hierfür hat sie so ein natürliches Talent - sie IST Stille - dass sie bereits einige Male in Gruppen ’vorgesessen’ hat. Dass sie nebenbei eine aussergewöhnlich talentierte Therapeutin und Lehrerin in der Traditionellen Chinesischen Heilkunde ist, braucht kaum noch erwähnt zu werden; so viele Menschen haben das bereits an ihrem eigenen Leibe empfinden können. MeiMei ist ein echtes Wunderkind.“Von Haus aus“ verlegen und bescheiden, wohnt in ihr eine (stille) Kraft. Wenn diese sich äussert, wird eine Mischung von dicht bei sichselbst sein, Zuwendung, Kenntnis und grosses Kommunikationstalent sichtbar. Sie gibt sich mit Herz und Seele an die Aufgabe die sie sichselbt auferlegt hat. Sie glänzt in allem, was sie anpackt. Momentan ist es Heilkunde. Bereits seit zehn Jahren vertieft sie sich in diese Materie. Als Soziologin mit Interesse für Epidemiologie war sie seither damit bekannt. Aber auch Chinesische Kochkurse, Fengshui Beratung, Website Design, Chinesisch zeichnen oder tanzen meistert sie hervorragend. Ich fühle mich bevorzugt, dass ich so intim mit ihr zusammenleben darf. Auch von meinen vielfältigen früheren Erfahrungen weiss ich, dass dieses wirklich einzigartig ist. Ich bete in Stille, dass sie und ich zusammen noch eine ganze Zukunft vor uns haben, zu Nutzen von allen und alles.

HEIMSUCHUNGEN
Entwischt aus der Hölle der Zukunft

Als ich dachte, dass ich nun wohl durch war mit allem, überkam mich folgendes. Es begann 1992. Meine Frau MeiMei und ich bekamen gleichzeitig Beschwerden. Anfangs hauptsächlich beim Aufstehen am Morgen. Wir beide wurden unerklärlich müde, und blieben es den ganzen Tag über. Oft saß ich stundenlang lustlos auf dem Sofa, oder ich lag wie gelähmt im Bett, nicht im Stande um auch nur irgendetwas zu tun. Müde, müde, müde ohne zu wissen wodurch es kommt, ist eine eigenartige Erfahrung. Beim Laufen hatten wir beide ein ’unwirkliches Gefühl’, als ob es kein Kontakt mit dem Boden gebe. Es war als wenn wir auf Watte liefen. Sehr unangenehm war auch, dass wir beide stets weniger gut klar nachdenken konnten, es war als ob der Kopf in zunehmendem Maße ’blockierte’. Um ein Beispiel zu nennen, konnte ich eine ganze Zeit ’abwesend’ vor mich hinstarren. Was wir auch gemeinsam hatten, war, dass wir in der Nacht öfter wach wurden mit einem Völlegefühl im Bauch. Des Morgens war uns manchmal übel, als wenn wir uns übergeben mussten.

In Laufe einiger Wochen nahmen die Beschwerden nicht nur zu, sondern kamen noch welche hinzu. Vor allem nachts. MeiMei bekam schmerzhafte Muskeln und Gelenke, ich konnte immer mühsamer einschlafen oder wurde sehr unruhig wach - meist zwischen ein und zwei Uhr. Dabei überkam mich das Gefühl, als ob mein ’System’ zusammenbrechen würde: ich wurde kalt bis auf die Knochen, mit bohrenden Schmerzen zwischen den Schulterblättern, hatte Schweißausbrüche, Herzklopfen und das Gefühl ’weg zu sinken’, in Ohnmacht zu fallen. Das aufhetzende Gefühl, vor allem in meinem Kopf, in der Herzgegend und im Rücken, nahmen derartig zu, dass es zu Panik führte. Wenn es zum Höhepunkt kam, hielt ich es nicht mehr aus, und musste heraus aus dem Bett. Es ist vorgekommen, dass ich aus dem Haus floh und draussen im Auto versuchte, zu schlafen. Auch tagsüber veränderte unser Leben immer mehr. Wir hatten kaum noch Lust, um hinaus zu gehen. Wir scheuten uns vor allem; selbst einkaufen gehen wurde zur Last. Zuhause taten wir auch nicht soviel. Die Stimmung wurde immer drückender, Sorgen dominierten. Mich belasteten ausserdem noch Momente von Ruhelosigkeit, Gereiztheit, Stress und Aufregung.

Trotz allem Gegrübel wurde uns die Ursache damals nicht deutlich. Die Situation verschlechterte schnell. Unser Glück war es, dass wir in derselben Zeit nach Deutschland mussten. Und sieh da, von der Ersten Nacht an, dass wir irgendwo anders schliefen, war es vorbei. Sowohl meine Frau als auch ich hatten ab sofort keine Beschwerden mehr. Wir konnten es kaum glauben. Doch gleichzeitig wurde uns auch bewusst, dass es höchstwahrscheinlich mit unserer Wohnung zu tun hatte. Wieder Zuhause angekommen, warteten dort schon die Müdigkeit, das unwirkliche Gefühl und die nächtlichen Beschwerden. Wir wurden ratlos; und mussten etwas unternehmen, denn so konnte es nicht bleiben. Also suchten wir Kontakt mit einem Fachmann auf dem Gebiet von ’Strahlung’. Mit Hilfe von modernen Apparaten hat er einen ganzen Vormittag bei uns äusserst sorgfältig gemessen, und kam zu der Schlussfolgerung, dass unsere Wohnung belastet war mit Erdstrahlen, einem magnetischen Feld, als auch mit elektro-magnetischer Strahlung. Ursachen: vermutlich Bruchlinien und/oder Wasseradern im Grund, Radio-, Fernseh- und Radarwellen, und Elektrosmog im Haus selbst (elektrische Leitungen, Lampen, Apparate, Komputer, Fernseher). Die Folgen davon konnte er an meinem Körper messen: ein Immunsystem, dass weit unter den normalen Wert gesunken war.

Erfreulicherweise hatte er eine Lösung: Rund um’s Haus wurden ’Stäbchen’ in die Erde gesteckt, das sollte die Probleme aufheben. Und wirklich: es wirkte. Den Rest des Tages waren wir beschwerdenfrei, und die Nacht war geradezu himmlisch. Wir konnten vor Freude an die Decke springen, und fühlten uns endlich befreit von all den Qualen, die uns so lange im Griff hatten. Aber zu früh gejauchzt: nach fünf ’normalen’ Tagen kam es zurück. Und trotz allen Bemühungen des Experten; er konnte die Strahlung nicht endgültig ableiten. Es blieb uns keine andere Wahl: wir mussten das Haus verlassen. Wohnung, Arbeit, unsere körperliche und psychische Gesundheit waren plötzlich unsichere Faktoren geworden. Gerade zu dem Zeitpunkt, da zum Beispiel unsere Arbeit endlich in Gang gesetzt war. Wir hatten kein Einkommen oder Vermögen. Was sollten wir nur tun? Wohin mit uns?

Vorläufig wurde uns von guten Freunden eine Etagenwohnung angeboten, wo wir uns erst einmal ein wenig erholen konnten. Und, was wichtig war: hier gab es kein Elektro-Stress! Als wir dann auch noch ein einjähriges Praktikum im Ausland finden konnten, packten wir mit zwei Händen zu. Das Jahr - eine Insel in weiter Ferne - war nicht allein für die Gäste, die wir dort empfingen, ein Kurort; es war auch für unsselbst ein Erholungsort. Es dauerte fast ein halbes Jahr, bevor wir das Gefühl hatten, die ganze Geschichte überwunden zu haben. Kaum hatten wir uns erfreut über die erneuerte Gesundheit, schon setzte die Müdigkeit wieder zu. Ausserdem bekam ich nachts sehr unangenehme Zuckungen in meinen Beinen. Durch unsere bisherigen Erfahrungen weise geworden, entdeckten wir nun viel schneller die (vermutliche) Ursache. Von Elektrosmog konnte in diesem Falle keine Rede sein. Wir wohnten nicht nur weit entfernt von der bewohnten Welt, auch die Erscheinungen waren anders. Wir bewohnten ein Zimmer in einem nagelneuen Hotel. Unserer Meinung nach waren Formaldehyd, zusammen mit Holzschutzmittel, die Übeltäter; beide von der neuen Einrichtung aus Holz. Wenn wir nämlich nicht in unserem Zimmer schliefen, hatten wir keine Beschwerden. Als dann nach einem Jahr auch die geschäftlichen Vorraussichten verschlechterten, beschlossen wir, die Insel wieder zu verlassen.

Zurück in Holland - ohne finanzielle Mittel - noch ein wenig bedrückt wegen all den Erfahrungen, und unsicher darüber, was eventuell noch alles auf uns zukommt, hatten wir in den ersten Monaten im Grunde genommen garnicht einmal so eine schlechte Zeit. Wir wohnten wiederum zeitweise in einem Haus, und hatten ein wenig Zeit, uns auf unseren nächsten Schritt zu besinnen. Wir entschlossen uns für ein kleines Häuschen auf dem Lande. Wir waren inzwischen so gute 'Antennen' geworden, dass wir selber den Elektrosmog 'messen' konnten. Wir bemerken sofort, wenn irgendwo Elektrosmog ist. In dem Häuschen war keiner, darum war unsere Wahl nicht so schwer. Wieder einmal von vorn anfangen. Eine Heilpraxis aufzubauen in einer dünnbesiedelten Gegend, war zwar keine leichte Aufgabe, doch wir hatten guten Mut. Bis ich nach einigen Monaten einen immer dicker werdenden Bauch bekam. Was ich auch tat oder aß, der Bauch blieb voll und aufgeblasen. Von einem Naturarzt wird erwartet, dass er etwas daran tun kann.

Ich versuchte wirklich alles: vom Abendessen weglassen (es erleichterte ein wenig) bis hin zu einem Monat lang fasten. Tagelang viel arbeiten - ich schrieb ein Buch - und Perioden von Müdigkeit, Erschöpfung und Depressionen (ME) wechselten einander regelmäßig ab. Die Momente von Gereiztheit und Gehetztheit kamen zurück. Wiederum wurden es (dramatische) nächtliche Krisen, mit Angst und Panik um ohnmächtig zu werden, extreme Kälte, Schweißausbrüche, und dies alles manchmal einige Male in der Woche. Viele Stunden stand mir meine Frau bei, mit allem, was in ihrem Vermögen lag: Ohr-Akupunktur, Moxa, Massage und Fußreflexmassage. Nichts half ausreichend, bis ich entdeckte, dass die Ursache die Krise einer Gluten- und Laktoseintoleranz war.

Inzwischen waren auch die nächtlichen Zuckungen und Zerrungen in meinen Beinen reichlich verschlimmert. Man kann lieber Schmerzen haben, so ein schreckliches Gefühl ist das. Jedoch nach einigen Wochen mit Gluten- und Milchfreier Diät, nahmen die Beschwerden und auch die Krise glücklicherweise ab, und fing ich an, mich besser zu fühlen. Die Praxis war kein Erfolg, wir hatten kaum Einkommen, und weil wir wegen all den Ereignissen auch noch unsicher geworden waren über Haus und Platz, beschlossen wir aufs Neue, weg zu gehen. Ich nahm mir vor, vorläufig mobil zu bleiben. Ein alter Wohnwagenanhänger wurde unser nächstes Wohnobjekt, auf einem Gelände von Freunden, die uns sehr herzlich aufnahmen. Tja, und wie sollte es nun weitergehen? Wir waren inzwischen Nomaden geworden, ohne festen Wohnsitz. Und das ärgerliche an unserem neuen Unterkommen war, dass es auch nicht ganz ohne Strahlung war. Wir hatten so die Nase voll von allem, dass wir unsere sieben Sachen packten und die Ferne suchten. Denn wir hatten inzwischen entdeckt, dass (vor allem West-) Holland wegen seiner 'Strahlungsdichtheit' eines der ungesündesten Länder von Europa war (ist).

Tapetenwechsel also; diesmal probierten wir es in Irland. Nach unseren Erwartungen (ohne Selbstsuggestion) war dort nichts zu verspüren: kein Elektro-Stress, keine (merkbare) Verschmutzung, kurzum, ein erholsames Aufatmen. Aber meine Frau und ich bekamen prompt beide eine verheerende Grippe, sie hustete 10 Tage und hatte wahrscheinlich eine leichte Lungenentzündung. Deutung (aus 28 Jahren medizinischer Erfahrung): Entgiftungsreaktion nach vorhergehender Gift- und Elektrostressbelastung. Mit Freunden, die dort schon einige Zeit wohnen, haben wir dann Zukunftspläne gemacht. Unser Status als 'Umwelt-Flüchtlinge' hatte auch seine guten Seiten, so hielten wir uns vor Augen. Anders wären wir nie auf dieser grünen Insel gelandet. Die Sache hatte nur einen Haken: meine Chinesische Frau hatte ihre Familie seit fünf Jahren nicht mehr gesehen. Dieser Familienbesuch - nach China - hatte somit Vorrang, also musste Irland noch eben warten. Besorgt fragten wir uns ab, wie die 'Strahlungssituation' in China sein würde. Es war denkbar, dass es so schlimm sein könnte, dass wir mit dem ersten Flugzeug wieder kehrtmachen müssten.

Doch es wartete uns ein angenehme Überraschung. Trotz der (relativ) dichten Netzwerke der Hauptstadt kein Elektro-Stress! (Inzwischen weiß ich dass dort viel strengere Normen hantiert werden). Nur, wenn ich zu dicht beim Fernseher, Computer oder unter Neonlicht kam, merkte ich es. Auch beim telefonieren mit einem drahtlosen Handy. Das wurde leider nach einigen Wochen so arg, dass ich derartige Objekte konsequent aus dem Weg ging. Anders wurde mir schwindlig im Kopf, meine Beine kalt, ich fühlte den Boden unter meinen Füßen nicht mehr, lief unkoordiniert, auch bekam ich bohrende Schmerzen zwischen meinen Schulterblättern und meinen Gelenken. Total ratlos, wie in der Vergangenheit, wurde ich dieses Mal nicht; denn wenn ich Abstand zu den genannten Apparaten hielt, konnte ich ziemlich gut funktionieren. Erfreulicherweise bekam ich dann eine gute Idee. Vor einiger Zeit hatte ein biologischer Zahnarzt mir erzählt, dass Füllungen 'sich aufladen konnten', wodurch man schliesslich allerlei Beschwerden bekommen kann. Wenn man dann auf Aluminiumfolie beißt, 'leitet man die Spannung ab' und nehmen auch die Beschwerden ab. Ich tat es und sieh da, es funktionierte. Meine Unpässlichkeiten reduzierten sich ab sofort, manchmal konnte ich es sogar für kurze Zeit beim Fernseher aushalten.

Ausser dass ich mirselber nun helfen konnte, war auch eine wichtige Erkenntnis geboren. Wenn meine Beschwerden so schnell und deutlich durch das Beißen auf Alu-Folie verringern, während ich Fernseh schau, dann ist das doch der Beweis, dass elektromagnetische Strahlen die Füllungen im Mund aufladen können. Eine 'Antenne' im eigenen Mund. Vor zwölf Jahren hatte ich bereits mein Amalgam ersetzen lassen. Jetzt hatte ich mindestens vierzehn! goldene Inlays. Sollten diese etwa auch heraus müssen? Ich versuchte, nicht daran zu denken. Spielte Paladium, ein Edelmetall, dass oft mit Gold vermischt wird, vielleicht auch eine Rolle? Es kamen immer mehr Fragen. Konnte ich überhaupt noch funktionieren in der Gesellschaft oder war ich nun definitiv dazu verurteilt, in Abgelegenheit zu wohnen. Nicht ganz wider Willen, denn 'Entwicklungshelfer' (....) ist immer aktuelle Alternative für mich geblieben. Und wie verarbeitete meine Frau dies alles? In China war ich relativ beschwerdenfrei geblieben; das Erste was ich in der Ankunftshalle auf dem Flughafen Schiphol verspürte, war ...sofort wieder den unangenehmen bohrenden Schmerz zwischen meinen Schulterblättern und das unwirkliche Gefühl in meinen Beinen und Kopf, genau wie ich es vorher auch gefühlt hatte. Hals über Kopf gingen wir wieder zurück nach, was inzwischen unser Sommerhäuschen geworden war. Dort hielt ich es jedoch nicht vierundzwanzig Stunden aus. Glücklicherweise half uns ein Freund, der uns ein Zimmer zur Verfügung stellte.

Ohne Hilfe einiger sehr gute Freunde, die es oft selber nicht so gut begreifen konnten, hätten wir es nicht geschafft. Ich besuchte eine ärztliche Kollegin, die ich sehr gut kannte und deren Rat ausserordentlich wertvoll war. Nach ausführlicher Untersuchung stellte sie ME als Diagnose, mit als Ursachenkomplex: eine Gluten- und Milchintoleranz, eine Quecksilberverdächtigung (von meinen früheren Füllungen), Elektrostress, Verdauungsstörungen und Kandida; ich bekam eine Behandlung. Anfangs lief alles ganz gut. Nach einiger Zeit jedoch kam die nächtliche Unruhe wieder zurück. Etwa, als würde das Gehirn anfangen, zu 'wühlen'. Natürlich haben wir das Bett umgestellt, das half aber nicht. Eines Nachts wurde es mir zu bunt, ich flüchtete aus dem Haus und übernachtete bei einem Bekannten auf dem Sofa. Es traf sich (wiederum) gut (dachten wir), dass wir möglicherweise in Deutschland neue Arbeit haben würden. Denn dort hatten wir in der Vergangenheit auch gute Erfahrungen gehabt. Wir hatten eine fröhliche Hinreise, vor allem, weil wir nach meine geliebten Berge gingen. Dortselbst angekommen, erwartete mich eine gewaltige Enttäuschung. Sowohl ausserhalb in den Anhöhen, als auch im Dorf auf unserem Bauernhofverbleib, kamen die Schmerzen zwischen meinen Schulterblättern wieder auf. Später erfuhr ich, dass der Elektro-smog in bestimmten Berggegenden oft schlimmer ist durch das intensivere Kommunikationsnetz (Telefon, Radio). In der Nacht konnte ich es einigermaßen aushalten. Am nächsten Tag zogen wir weiter zu unserem folgenden Termin, 400 km in nördliche Richtung.

Die Nacht im Hotel werde ich nicht so schnell vergessen. Es war nicht nur die übliche Panik, in der ich erwachte, ich bekam auch noch alle Begleiterscheinungen eines Herzinfarktes: Beklemmung auf der Brust, ausstrahlender Schmerz nach Kiefer und linken Arm, Angst und Schweiß auf meiner Stirn. Meine liebe Frau tat alles um mir Erleichterung zu verschaffen, doch um halb drei (in der Nacht) dachte ich :"Und jetzt ist Schluss". Nein, nicht mit mir, sondern mit der ganzen Situation. Ich steig ins Auto, fahre nach Holland (in acht Stunden), geh unverzüglich zu meinem Zahnarzt und lasse mir alle goldenen Inlays herausholen, alles in einer Sitzung. Und so geschah. Anfangs ging es mir im Auto noch ziemlich übel, doch nach einiger Zeit ging es langsam besser, und um die Mittagszeit stand ich beim Zahnarzt vor der Tür, der gerade sein Wochenende beginnen wollte. Zwei dreiviertel Stunden hat er sich mit mir abgemüht. Nun war endlich alles heraus. Mit Notfüllungen fuhr ich zufrieden nach Hause. Zwei Nächte war ich ohne Beschwerden. Darüber war ich nicht nur beglückt, doch sah ich darin auch eine Bestätigung meiner 'Theorie'.

Jämmerlich nur war, dass in der dritten Nacht dieselben Unpässlichkeiten wieder aufmuckten. Ich hatte mich geirrt und für diesen Irrtum einen hohen Preis bezahlt, so dachte ich damals. So viel Mühe, sowenig Erfolg, ich war einer Resignation nahe. Ich sah kaum noch neue Möglichkeiten. Wieder eine andere Adresse schien mir nicht sinnvoll. Eine 'Höhle in den Pyrenäen' war vielleicht der einzige Ausweg. Vorläufig wählte ich eine andere Schlafstätte im selben Haus (was glücklicherweise möglich war), und ging viel nach draussen. Es war meistens erträglich, das schon. Auch wenn ich von einem Transistorradiolein - von dicht bei - schon schwindelig werden konnte. Meine Frau brütete die ganze Zeit auf dem Ei von Kolumbus. Sie fing dann an, meinen Rücken mit einer Chinesischen 'Schabtherapie' - Guasha* - zu behandeln und ... glaube es oder nicht: meine Unruhe strömte geradewegs aus Kopf und Körper weg. Eine Zugabe des Wunders war: am nächsten Tag konnte ich auf einmal lesen ohne Brille, das war in den letzten sieben Jahren nicht mehr möglich gewesen!

* Sieh: www.vitalworld.org und www.guasha.8m.com

Zwei Tage später hatte ich aufs Neue einen Termin bei meinem Arzt; dieser stellte fest, dass immer noch Spuren von Quecksilberverdacht und Gluten- und Laktoseintoleranz da waren, jedoch in viel geringerem Maße als davor. Genau wie das erste Mal bekam ich eine Behandlung, die daneben unterstützt wurde von einer (Japanischen) immunstärkende Therapie. Ausserdem eine Injektion (Neuraltherapie, früher auch immer gemacht, doch jetzt, wo es mich selbst betraf, völlig vergessen...) in ein altes Närbchen, was aussergewöhnlich half. Das hatte zu Folge, dass ich eine Zeitlang im selben Zimmer wohnen konnte, keine Beschwerden mehr hatte, nicht mehr müde war, im selben Bett schlief, und in geringer Menge Yoghurt und Brot essen konnte, ohne in der Nacht leiden zu müssen. Was für ein Luxus für mich! Das hielt einige Wochen an. Ich sah besser aus, fühlte mich gut, hatte eine klaren Blick, meine Haut glänzte (sagte meine Frau), mein Bauch war bedeutend platter, und mein Darm funktionierte auch besser. Im Nachhinein wurde mir der Zusammenhang deutlich. Die Entfernung der Inlays war schliesslich doch eine gute Wahl gewesen. Die Beschwerden, die ich danach hatte, waren zurück zuführen auf vorübergehende 'Erstverschlimmerung', wie so oft bei einer biologischen immunstärkende Therapie. Was für eine Erleichterung.

Die Schlussfolgerung von allem war, dass die Tatsächlichkeit des Elektro-Smogs - ein Komplex von 'Erdstrahlen', elektrische, elektronische Belastung: Radio, Fernseher, drahtlose Telefonnetzwerke (Handy's), Satellitverbindungen, Hochspannungsleitungen, Bahnhöfe, Radar (militärisch und zivil), und die elektrischen Leitungen und Apparate im Haus - wenigstens für mich nicht mehr zu verleugnen ist. Füllungen, sowohl Amalgam, als auch goldenen Inlays können hierbei als Batterie fungieren. Die zu hohe Mini-Voltzahl verursacht Elektro-Stress im Gehirn, was im Rest des Körpers und der Psyche fühlbar ist. Im Falle der Amalgamfüllungen (vor allem wenn man viel Fernsehen schaut, am Komputer arbeitet oder drahtlos telefoniert) löst der Spannungsunterschied mit der Mundschleimhaut Strömchen aus, wodurch Quecksilber auflöst und eine chronische Quecksilbervergiftung verursacht. In meinem Fall kann man davon ausgehen, dass die späteren goldenen Inlays (durch ihre zu hohe Voltzahl) die spontane Entgiftung von Quecksilber blockiert haben. Quecksilber, dass sich infolge 30 jähriger Quecksilbervergiftung aus vielen Füllungen, vor allem im Gehirn, der Leber und den Nieren angehäuft hat. Das ist der Grund, warum 12 Jahre nach der Entfernung immer noch eine Quecksilberbelastung bemerkbar ist, was wiederum auch eine Antenne für Elektrosmog sein kann. Ausserdem war bei mir diese Quecksilberbelastung, zusammen mit der Gluten- und Milchüberempfindlichkeit, die Ursache meiner 'schwachen Nerven', ein weiterer Grund warum der Elektrosmog so heftig war.

Besonders der Westen der Niederlande scheint eines der meist besetzten elektro-magnetischen Netzwerke von Europa zu haben. Nur in Deutschland sei es noch schlimmer (sagt man). Die Entwicklungen gehen in hohem Tempo weiter. Sensitive Menschen haben es dadurch also extra schwierig. Die individuelle Empfindlichkeit wird nicht nur durch obengenannte Faktoren bestimmt, doch auch durch Veranlagung und (psychischer) Konstitution. Es wäre doch tragisch, wenn gerade Menschen, die bewusst werden und sich öffnen, (davon sollten möglichst viel mehr hinzukommen) als erste an den Folgen des Elektrosmogs leiden würden. Mein spiritueller Lebenslauf und 25 Jahre tägliche Meditationsausübungen sollte auch eine bestimmte Rolle gespielt haben können. Leute wie ich, haben den zweifelhaften Vorteil 'in die Hölle der Zukunft' geschaut zu haben. 'Wieder zurückgekommen', können sie anderen Leuten erzählen, was sie dort 'gesehen haben'. Eine Empfehlung ist, neben dem Streben nach einem elektrosmog-freien Milieu, nach wie vor, eine gute Balance zu wahren zwischen Offenheit, Empfänglichkeit als auch Ich-Kraft und Widerstandsfähigkeit. Dies ist keine geringe Aufgabe!

Ausserdem ist es sicherlich vermutbar, dass das Verhältnis von Elektrosmog zu Krankheit eine grosse Rolle spielt, nicht nur individuell, sondern auch im grösseren Maßstab. Untersuchungen in Deutschland (also ein dichtbenetztes Land) ergaben (M. Fritsch, Dr. B. Kern), dass die drastische Zunahme von Herzinfarkt (und Schlaganfall) nicht anders erklärt werden können, als das die Ursache Elektro-smogbelastung ist. Der Mechanismus beruht auf Resonanz. Zellen und Gewebe (Adergefäße z.B.) im Körper resonieren so lange mit der Strahlung, bis sie beschädigt werden. Dabei sind vermutlich andere Zusammenhänge auch nicht ausgeschlossen: (chronische) Zivilisationskrankheiten, alles, was zurückzuführen ist auf Immunschwäche - eine der direkten Auswirkungen des Elektrosmogs - wie M.E., Fibromyalgie, Kandida, Allergien und Intoleranz, Kopfschmerzen, einige Berufskrankheiten (Zahnärzte z.B), rheumatische Krankheiten, Alzheimer, Krebs und viele andere. Als 'Antenne' habe ich mich sehr erschrocken über das Ausmaß der Elektrosmogbelastung in zwei ultra-modernen Krankenhäusern, die ich besuchte. Der Zusammenhang mit dem enormen 'psychologischen' und 'Arbeitsstress wird heutzutage durch immer mehr Menschen fühlbar, und kann deswegen kaum noch ignoriert werden.

Ebenso der explosive Anstieg von Müdigkeit, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Schulter- und Rückenbeschwerden, vor allem bei Büroangestellten und Managern, in Ländern wie Japan und den V.S., wie auch in Europa maximal belastet mit Elektrosmog. Ich meine auch, dass die rezente Zunahme von Agression, Gewalt und Kriminalität (überreizte Gehirnfunktionen) eine Verbindung hat mit Elektrosmog. Schon jetzt hat es den Anschein, dass wir uns im Teufelskreis befinden: Elektrosmog, Stress, psychische Störungen, Aggression, Krankheit und Degeneration. Auf Grund dessen, was zur Zeit bekannt ist, kann festgestellt werden, dass die Zukunft unserer gänzlichen Kultur unter anderem davon abhängt, wie wir das Problem der Elektro-magnetischen Belastung (kurzfristig) anpacken werden. Der Konsument ('konsuminderen'), (Zahn)Ärzte und viele andere in der Gesundheitsfürsorge, Patienten und Patientenvereine, Umwelt-Organisationen, die elektronische Industrie ('let's make things better'....) und der Staat sollten kurzerhand eingreifen, bevor es zu spät ist. Die Zukunft scheint noch immer im Zeichen der Technologie zu stehen. Das einzige, was man in dieser Beziehung mit Sicherheit sagen kann, ist, dass der heutige Wirtschaftswachstum - gefangen im Spinnengewebe, dass wir selber gesponnen haben - auf Kosten des Lebens(glücks) und Wohlseins vieler Millionen Menschen gehen wird.

Ich habe seit meiner 'Krankheit' mit vielen Leuten Gedanken ausgetauscht: mit Sachkundigen und Mit-Opfern; ich habe viel Literatur eingehend studiert und untersucht. Das Syndrom ME hat bei jedem andere Akzente und Ursachen. Daraus erzeigte sich, dass jeder, der empfindlich ist - neben grossen Übereinstimmungen - nicht dieselben Symptome zu haben braucht. Einiges ist teilweise abhängig von der Vorgeschichte und das ist für jeden natürlich anders. Eine grosse Anzahl der Opfer hörte zum Beispiel 'piepen oder pfeiffen' in den Ohren (Tinnitus), was ich nicht hatte. Auch der Zustand im Mund ist bei jeden wieder anders. Es ist also nicht so, dass ein jeder unterschiedslos seine Füllungen entfernen lassen sollte. Am besten bespricht man das in Ruhe mit seinem (Natur) Arzt oder (biologischen) Zahnarzt. Was michselbst betrifft, ist es letztlich nicht möglich gewesen, um gänzlich elektro-stressfrei zu leben. Ich fühle mich im allgemeinen zum Glück besser den je, doch bleiben einige Stellen so empfindlich, dass ich ganz plötzlich wieder Beschwerden bekommen könnte. Vor allem neue (Beton) Gebäude, moderne Häuser, Büro's, Züge in denen überall um mich herum mit Handy's oder in Häusern wo mit DECT-Telefonen telefoniert wird, und Hotels überrumpeln mich immer wieder unangenehm. Einfach nur so ein Hotel buchen, ohne vorher zu wissen 'wie es dort anfühlt', ist für mich eine riskante Unternehmung. Um so mehr, weil eine Nacht 'in Strahlung' mich buchstäblich total aufbrechen kann. 'Meine Energie' schwindet so dramatisch schnell, dass ich das Gebäude verlassen MUSS, um schlimmerem vorzubeugen. Unser Wohnsitz in Amsterdam ist in der Hinsicht glücklicherweise in Ordnung. Bisher brauchten wir jedenfalls keine Zuflucht suchen in 'primitivere' Orte.

Brasilien

Um die Geschichte zu beenden - die Beschwerden kamen doch zu oft zurück - beschlossen wir, unser Glück in Portugal zu versuchen. In jenem Land waren viele ältere Leute, die dort überwintern, so begründeten wir, sodass die Erwartung auf Einkommen nicht ganz unangemessen schien. Geholfen durch eine Geldleihung - wofür wir immer noch sehr dankbar sind - zogen wir 'offiziell' um, in die Algarve. Optimistisch wie immer.... mieteten wir ein schönes Haus auf einem Hügel, und ein Garten voller Mandelblüten. Etwas, von dem wohl jeder träumt. Es war nicht so, dass wir gleich wieder in alptraumhafte Verhältnisse gelangten, doch nach einigen Monaten erwies unser 'Goldminchen' eher eine Gruppe Senioren zu sein, die auf ihrem Geld sitzen blieben. Für ärztliche Hilfe ging man in die billigen Staatskrankenhäuser.

Mitten in meinem Elend - ich war als wir in Portugal waren in vielen Hinsichten total am Ende - stand ich eines guten Morgens auf.....und wie! Auf vollkommen unerklärlicher Weise befand ich mich in einem Zustand von unbeschreiblichem Glück. Eine Verfassung, in der ich ohne jeden Anlaß nach allen Seiten überströmte von Freude, Kraft und Energie. Ich ging nach draussen und stampfte wie ein Kind ungestüm, aufschreiend und zischend im Kreis herum. Ein ekstatischer Tollkopf. Noch während dieses 'Tanzes' leuchtete mir ein, das dies der Zustand war von meiner paradiesischen Babyzeit, die ersten zwei Lebensjahre, die Zeit vor meinem 'grossen Unglück'. Es war die Wiederherstellung mit meinen persönlichen Wurzeln. Nie vorher in all den 56 Jahren war mir dieses geschehen*. Es war wie ein Wunder.

* Ekstase und Erleuchtung sind grundsätzlich von einander zu unterscheiden. Erste ist Erfahrung (Energie), die Zweite ein Aufgehen ins Göttliche (Bewusstsein).

Bis unsere Situation so peinlich wurde, dass eine holländische Familie es nicht mehr mit ansehen konnte, und uns vorschlug, nach Brasilien zu emigrieren. Einer ihrer Söhne hatte dort eine Anstellung bei der Regierung des Teilstaates Paraná. Er würde uns weiter helfen können. Mit dem Rücken gegen die Wand macht man krumme Sprünge. Also, auf nach Brasilien. So unbekannt, wie dieses Land für uns war, so schnell fühlten wir uns dort wie zu Hause. Die Brasilianer empfingen uns mit einer unvorstellbaren Herzlichkeit. In kurzer Zeit wurden wir mit Menschen in Kontakt gebracht die relevant für uns waren. Wir wurden eigens vorgestellt an die Leitung - Direktor und Internist - des örtlichen 'SUS' Armenkrankenhaus, notabene Krankenhaus 'Erasmo de Roterdam' geheißen. Über ein eigenes Haus wurde nicht diskutiert. Der Oberarzt/Direktor bestand darauf, dass wir ein Zimmer in seinem Haus beziehen sollten, einschliesslich Gebrauch von gemeinschaftlichem Wohnzimmer, Küche, und eigene Dusche/Toilette.

Die Herzlichkeit der Brasilianer ist für uns unvergesslich. Und ihr Enthusiasmus in Beziehung auf unsere dargebotenen Dienste....Während man in Europa kämpfen muss, um marktfähig zu sein und zu bleiben - etwas, was uns prinzipiell zuwider ist - war man dort total begeistert von der Tatsache, dass wir 'für sie ganz aus Europa gekommen sind'. Es war wie eine warme Dusche. Hinzu kommt noch, dass wir bei allen möglichen 'Freunden' eingeladen wurden, stetig auf Barbecue Party's. Das war für kurze Zeit etwas lästig, da wir überwiegend vegetarisch aßen. Anfangs nahmen wir nur Stückchen Tomaten und Petersilie. Das fiel auf, und man machte uns deutlich, dass es so nicht ginge. Wir hatten Verständnis dafür, und um die Gastlichkeit nicht länger zu brüskieren, haben wir dann auch einfach Fleisch gegessen. Wir waren ziemlich erstaunt, dass innerhalb einer Woche der Rest meiner Elektrobeschwerden verschwunden war. Das Fleisch hatte für einen scheinbar notwendigen Puffer gesorgt. (PS: und jetzt nicht denken, dass dies die Lösung ist für jeden!). Bei mir hat es jedenfalls gewirkt. Das ist der Grund, weshalb ich nach so langer Zeit noch verhältnismäßig gut funktionieren kann.

Es fiel uns auf, dass, genau wie in HongKong, auch hier Dinge leicht, schnell und spontan organisiert wurden. Es scheint fast so, dass im Gegensatz dazu Holland zugemauert (in vielerlei Beziehungen) ist. Nichts scheint hier mehr zu gelingen. Nicht so in Brasilien. So konnten wir nicht nur die Naturheilkunde im Krankenhaus einführen, sondern auch ein ziemlich grosses Hoher-Blutdruck-Projekt in der Millionenstadt Curitiba. Und als ob das noch nicht genug wäre, konnten wir auch ein Kurs 'Fließsystemtherapie' für alle Direktoren aller Sozialabteilungen (Gesundheit, Sport, Altenhilfe, Landbau, Ernährungswirtschaft usw.) der Stadt Curitiba, geben. Das war der Anlass für die Übersetzung meines Fliessystembuches ins Englische; davon haben seitdem viele Menschen Nutzen ziehen können*.

* Kostenlos im Internet publiziert. Öffne www.vitalworld.org

Die spirituelle Interesse der Brasilianer ist enorm. In kleinen Dörfern stehen oft zahllose Kirchen, beziehungsweise Sektehäuschen; fast alle charismatisch und stark besucht. Auch einheimische Formen von Voodoo (Candomblè zum Beispiel) blühen dort, neben spiritistischen Strömungen wie der Kardeksismus. Letztgenannte hat sogar eine eigene Universität. Wir wurden dort eingeladen um einen Vortrag über Spiritualität zu halten. Alles wieder im Brasilianischen Stil spontan organisiert. Der Saal war gefüllt mit sehr interessierten jungen Leute, die viel Fragen stellten. Auch der leitende Professor (Im Yoga und der Indischen Philosophie) war sehr interessiert. Mit ihm hatte ich eines der schönsten Gespräche meines Lebens. Er fragte mich nämlich ganz unbefangen - mit einer Interesse, so echt, das sie mich zutiefst bewegte - wie meinen spirituellen Weg aussah. Als ich ihm ein Paar Hauptsachen erzählt hatte, war er erst ganz stille, worauf er sagte: "weisst Du, dass Du die höchste Stufe der Gottesverwirklichung erreicht hast?" Ich sagte - genauso unbefangen - "Ja, ich Weiss". Kannst Du also auch - durch minimales Atmen - in die Realisation schlüpfen? Ich erwiderte: "nun daran war ich nie wirklich interessiert, aber wenn ich in der Zustand bin, dann ist die Atmung tatsächlich nicht mehr zu spüren". Er lächelte und sagte: "versuche es mal". Und tatsächlich, jedes Mal als ich meinen Atem aufhielt, schlüpte ich durch den Hals einer Sanduhr in die andere Dimension. Oh, das ist angeblich so, dachte ich.

Etwas später war ich in der Lage die Reichweite davon zu ermessen. Wenn ich also tatsächlich auf völlig 'natürliche' Weise in die andere Wirklichkeit hineinschnellen kann, ist dies also mein Leben, dass ich aus dieser Position heraus zu leben habe. Auf einmal war mein 'Spielraum' verschwunden. Da konnte ich nicht umhin. Damit wurde gleichzeitig meine Verantwortlichkeit festgelegt. Von dem Augenblick an war das Unterste nach oben gekommen. Meine Schwäche ersetzt durch eine allesdurchdringliche subtile Kraft. Die grosse Angst aus den vorhergehenden Jahren, nämlich um mein 'ursprüngliches Gesicht' an die Aussenwelt sehen zu lassen, war gleichfalls von mir abgefallen. Die Erkennung von nur einem Menschen war hierbei durchschlaggebend. Etwas, was keine 'Gotteserfahrung' hat bewirken können. Unendlich dankbar war ich, dass ich diesem einen Menschen auf meinem Weg begegnen durfte. Ich betete, dass auch ich Menschen, deren Pfad ich kreuzen möge, genauso in ihrem Dasein zu bestätigen vermag. In Deinem Wesen Anklang finden, ist das nicht, wonach ein jeder verlangt?

Später bot er uns an..... ein spirituelles Zentrum zu errichten auf einem Landgut von 2500! Hektaren. Alles gratis und umsonst, ein Geschenk.... So etwas kann man sich hier überhaupt nicht vorstellen. Logisch also, dass wir anfangs Interesse hatten. Wir suchten den Ort auf. Das Land war wüst, tropisch und unvorstellbar schön. Es endete am Meer, wo eine lokale Variante von Delphine wohnten. Jammerschade war, dass sich in der nächsten Umgebung ein Landstreicherdorf befand, deren Bewohner berüchtigt waren wegen ihrer Gewalttätigkeiten. Es erschien uns nicht ungefährlich, um als 'reiche Abendländer' in ihrer Nähe zu wohnen, zumal da der Ort ziemlich abgelegen lag. Ausserdem beherrschten wir die Sprache nicht. Spirituelle Vorträge auf Portugiesisch zu geben, gehörte nicht zu meinen Möglichkeiten. Darum haben wir das Angebot leider abschlagen müssen.

Letzte Erprobung

Der letzte Schock stand mir jedoch noch bevor. Er gleicht derselben Situation in der Parzival-Legende, als Parzival nach seiner Erleuchtung, und nachdem er jahrelang herumgeirrt hatte (Integrationsproß), zum letzten Male beim Hof von Arthur gelangt war, in der Annahme, daß ihm dort nur Lob und Ehre erwartet. Plötzlich taucht da eine entsetzlich häßliche Frau – Kundrie – auf, die ihn in allen Tonarten beschimpft und verwünscht. Sie macht ihm deutlich, daß die "guten Taten", die er verrichtet hatte, nicht aus reinem Herzen kamen, so daß sie eigentlich von keinem oder geringem Werte waren. Dasselbe geschah auch mir. Nach einem Streit mit meiner Frau bekam ich denselben Spiegel vorgehalten. Mir wurde als nie zuvor bewußt, daß ich "mich zwar immer eingesetzt hatte für die Mitmenschen", aber daß (unbewußt!) die Motivation jedesmal von meiner Sucht nach Anerkennung und .... Liebe, beherrscht wurde. Dafür habe ich wirklich alles getan. Nimmer hatte ich den Schmerz der Liebesentbehrung, an der mein "fortwährender Einsatz" zu Grunde lag, so vollständig gefühlt. "Empfangen durch geben"*, das war meine (unbewußte) Strategie gewesen. Mein ganzes Leben wurde dadurch beeinflußt. Diese Erfahrung war überaus schmerzhaft.

*Das bedeutet nicht etwa, daß ich – entsprechend meiner Reichweite von Einsicht – nicht immer aufrichtig gewesen bin. Außerdem: in meinen (vielen) Momenten von inklusivem Bewußtsein war die ursprüngliche Zustand wiederhergestellt und war (ist) nichts mehr zwischen mir und "meiner Umgebung". Schwächte das jedoch ab, dann schob sich die Selbstbezogenheit - ohne das ich mich immer davon bewußt war - wieder dazwischen.

Daraufhin geriet ich spontan in einen tiefen Trauer-Prozeß. Ließ ich das Bewußtsein dessen, was ich in meinem Leben habe entbehren müssen, stets durch mich hindurchgehen. Mit meinem neuen Einblick auf die Dinge, wiederholten sich zahllose Erlebnisse aus der Vergangenheit in mir. Damit wurde auch bestätigt, daß man in seinem Entwicklungsprozeß immer wieder dieselben Dinge aufgetischt bekommt, aber dann auf dem angemessenen Niveau von Einsicht. Der Ernst meines Problems stimmte überein mit der letzten Phase auf meinem Weg. Gleichzeitig überkam mich ein tiefes Bedauern und Reue. Wie viele Leute habe ich nicht durch meine Unwissenheit unnötig belastet? Doch auch in Beziehung auf mich selbst. Durch das gigantische Bedürfnis an Liebe, habe ich mein Leben lang kaum Mitgefühl gehabt.....so dachte ich in meinen tiefst-traurigen Gedanken. Ich dankte der Großen Mutter und MeiMei, daß ich das nun bis in alle Tiefe erfahren und durchfühlen durfte*. Es ist also niemals zu spät; ja, alle Dinge passieren genau "zum richtigen Zeitpunkt". Ichselbst kann zwar denken, daß es ein "Verlust" gewesen ist, das Letztendliche in Ihrer Weisheit jedoch weiß es viel besser. Sie hat mir viel Leiden, also Reife zugeteilt. Tiefe Dankbarkeit kam in mir auf. Was für eine Geduld Sie mit mir gehabt haben muß! Und das alles für "mich". Sie ist wahrlich die einzig wahre Liebesquelle.

*Natürlich war mir mein Problem schon viel eher bekannt. Doch nie tief und peinlich genug. Oftmals kommt man erst nach tiefgründigem Leid zur Einkehr/Umkehr.

Es war mir nun vollkommen deutlich, warum ich "noch nicht fertig war", warum ich , der doch unendlich viel Gnade empfangen hatte, immer noch nicht dienlich tätig war in der Welt*. Intuitiv wußte ich, daß da noch eine wichtige Barriere zu nehmen war. Zum Glück gönnte ich mirselbst die Zeit, um dahinter zu kommen – was manchmal ganz schön heftig sein konnte. Es ist an dem grenzenlosen Erbarmen der Großen Mutter zu danken, daß ich diese Chance bekam. Nun, da nichts mehr dazwischen steht, kann Ihr Erbarmen ungehindert durch mich hindurch strömen. Kann ich Ihre Barmherzigkeit teilen mit allen. Parzival ging mir hierin vor. Wie er zum zweiten Mal auf die Gralburg kam, erkundigte er sich als erstes nach dem Wohlergehen des kranken Fischer-Königs. Sofort jubelte das ganze Schloß. Unzählbare Dezennien hatte man hierauf gewartet. Denn schließlich hatte das Unvermögen des Königs – seine Selbstsucht und sein Abgeschnitten-sein von der Quelle – das ganze Land in eine wahre Wüstenei ("wasteland") verändert. Das Warten auf den barmherzigen Außenseiter – jemand außerhalb des Systems, der den wahren Weg begangen hatte – wurde nun belohnt. Der König war im selben Moment geheilt und das ganze Land blühte auf.

* Für die "technische Seite" der Dunklen Nacht, sieh "Der Universelle Weg", u.a. Körperbewußtwerdung, Gewahrsein, Selbsttranzendierung, Blockaden, Der Widersacher, der Kreative Prozess und METAsynthese.

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Last update:10/02/07